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auch durch die grossen Schwierigkeiten bei der Fundirung der Pfeiler
aus und ist das grossartigste Bauwerk, welches in Oesterreich in der
ersten Hälfte unseres Jahrhunderts zur Ausführung gelangt ist. Als
Original ist bei der Constrnction zu erwähnen, dass das Geländer in
Fachwerk-System aus Holz und Eisen hergestellt zur Versteifung
gegen die Schwankungen dient.
Die gusseisernen Bogen-Brücken wurden in Oesterreich zuerst
mit der im Jahre 1837 eröffneten, über die Cserna hei Mehadia
inaugurirt. Die Construction derselben basirt auf neuen, bis dahin
nicht angewendeten Principien und macht daher den Anspruch eine
rein vaterländische Erfindung zu sein. Sie besteht in der Combination
des Röhrenbogens mit dem Ketten - Systeme, durch welche es
ermöglicht wird, den Seitenschub der Brückenbogen gegen die
Widerlager aufzuheben und in eine verticale Belastung zu verwan
deln*). Idee und Princip der Construction stammen von den dama
ligen Besitzern der Berg- und Hüttenwerke in Ruskberg, den Herren
Hoffmann und Maderspach und wurden, ausser bei kleineren Objecten,
noch bei der in den 40er Jahren ausgeführten Bogen-Hängebrücke
über die Temes bei Karansebes (Spannweite 57 Meter), obwohl mit
Einführung verschiedener Modificationen, zur Anwendung gebracht.
ln dem bis noch berührten Zeitabschnitt war der Bau einer
Strom- oder Thalbrücke ein technisches Ereigniss und Jahrzehnte
gingen nicht selten nur mit den Vorerörterungen verloren; eine Sach
lage, welche durch das Erscheinen der Eisenbahnen, wie mit einem
Schlage verändert wurde. Die rasche Betreibung derselben Hess oft
in einem Jahre mehr Ueberbrückungen erstehen, als vormals in einem
ganzen Jahrhunderte. Diese ausserordentliche, durch die in den 30er
Jahren beginnende Epoche der Bahnen hervorgerufene Bauthätigkeit
bot daher auch den mächtigsten Impuls zum Studium und zur Ver
vollkommnung der zu Uebersetzungen gewählten Systeme.
*) Die Brücke besteht aus 4 Röhrenbogen, aus gusseisernen Rohr-
Stücken von 2' Länge und 13" Durchmesser, welche mittelst Flanschen ver
bunden sind. Um den horizontalen Schub der Bogen auf die Widerlager aul
zuheben, ist in der Sehne eines jeden Bogens eine Spannkette gezogen und
durch Hängestäbe mit dem Röhrenbogen derart verbunden, dass sie in
gerade rund horizontaler Linie sich von einem Widerlager zum andern spannt.
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