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Verfolgen wir die in der neuen Aera, sowohl von dem Staate,
als auch von Privat-Gesellschaften ausgeführten Bauwerke, so finden
wir eine grosse Mannigfaltigkeit von Systemen aller Art, für deren
Entwickelung das zur Verwendung kommende Material, so wie
die Fortschritte der Ingenieur-Wissenschaften gleich maassgebend
waren.
So kam es, dass in der ersteren Zeit der Steinbau beinahe aus
schliesslich cultivirt wurde. Als dessen Typus figurirt der durch kreisför
mige Bogen (Halbkreis oder Kreis-Segment) verbundene Pfeilerbau,
welcher für steinerne Brücken überhaupt die empfehlenswerteste
Bauform ist, da sie die Herstellung einer bestimmten Stand- und
Tragfähigkeit mit dem geringsten Material-Aufwande gestattet und
gleich verwendbar bleibt für grosse und kleine Ueberbrückungs-Höhen
sowie für mehr oder minder tragfähiges Material.
Als die bemerkenswertesten Repräsentanten des Steinbaues
bei Strom* oder Thalbrücken in Oesterreich führen .wir die monu
mentalen Objecte der von der Regierung erbauten Bahnen in Oester
reich und Italien an; so die Sann-Brücke in Steinbrück (schiefes
Quadergewölbe der in der Curve geführten Brücke, kunstvolles Stein-
Object von Ferd. Hoffmann erbaut), so Ghega’s zahlreiche Viaducte
der Semmering- (40er Jahre) und Karst-Bahn (50er Jahre); so die
Isonzo-Brücke beiGörz und der Lagunen-Viaduct in Venedig, so die
7 bis 8 grossen Viaducte der ersten Strecke der Montan-Eisenbahn
nach Steierdorf (Oravicza bis Meydan), so der Moldau-Viaduct in
Prag u. a. m.
Die autgezählten Objecte übertreffen nicht nur an Kühnheit und
Grossartigkeit die Bauten der Alten, sondern können auch den aus
ländischen Werken der Neuzeit würdig an die Seite gestellt werden.
Gleichzeitig mit dem Steinbau wurde auch der Holzbau gepflegt.
Dieser beschränkte sich jedoch (mit wenigen Ausnahmen) unter
Beibehaltung der steinernen Pfeiler auf den eigentlichen Brücken-
Körper, nämlich Träger und Bahn-Bogenhängwerke*) und vomehm-
*) Die erste Anwendung von hölzernen Bogenhäng-Brücken geschah
bei der Uebersetzung der Kaiser Ferdinands-Nordbahn über die Donau nach
Francesconi’s Angabe (1836).