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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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Verfolgen wir die in der neuen Aera, sowohl von dem Staate, 
als auch von Privat-Gesellschaften ausgeführten Bauwerke, so finden 
wir eine grosse Mannigfaltigkeit von Systemen aller Art, für deren 
Entwickelung das zur Verwendung kommende Material, so wie 
die Fortschritte der Ingenieur-Wissenschaften gleich maassgebend 
waren. 
So kam es, dass in der ersteren Zeit der Steinbau beinahe aus 
schliesslich cultivirt wurde. Als dessen Typus figurirt der durch kreisför 
mige Bogen (Halbkreis oder Kreis-Segment) verbundene Pfeilerbau, 
welcher für steinerne Brücken überhaupt die empfehlenswerteste 
Bauform ist, da sie die Herstellung einer bestimmten Stand- und 
Tragfähigkeit mit dem geringsten Material-Aufwande gestattet und 
gleich verwendbar bleibt für grosse und kleine Ueberbrückungs-Höhen 
sowie für mehr oder minder tragfähiges Material. 
Als die bemerkenswertesten Repräsentanten des Steinbaues 
bei Strom* oder Thalbrücken in Oesterreich führen .wir die monu 
mentalen Objecte der von der Regierung erbauten Bahnen in Oester 
reich und Italien an; so die Sann-Brücke in Steinbrück (schiefes 
Quadergewölbe der in der Curve geführten Brücke, kunstvolles Stein- 
Object von Ferd. Hoffmann erbaut), so Ghega’s zahlreiche Viaducte 
der Semmering- (40er Jahre) und Karst-Bahn (50er Jahre); so die 
Isonzo-Brücke beiGörz und der Lagunen-Viaduct in Venedig, so die 
7 bis 8 grossen Viaducte der ersten Strecke der Montan-Eisenbahn 
nach Steierdorf (Oravicza bis Meydan), so der Moldau-Viaduct in 
Prag u. a. m. 
Die autgezählten Objecte übertreffen nicht nur an Kühnheit und 
Grossartigkeit die Bauten der Alten, sondern können auch den aus 
ländischen Werken der Neuzeit würdig an die Seite gestellt werden. 
Gleichzeitig mit dem Steinbau wurde auch der Holzbau gepflegt. 
Dieser beschränkte sich jedoch (mit wenigen Ausnahmen) unter 
Beibehaltung der steinernen Pfeiler auf den eigentlichen Brücken- 
Körper, nämlich Träger und Bahn-Bogenhängwerke*) und vomehm- 
*) Die erste Anwendung von hölzernen Bogenhäng-Brücken geschah 
bei der Uebersetzung der Kaiser Ferdinands-Nordbahn über die Donau nach 
Francesconi’s Angabe (1836).
	        
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