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lieh amerikanische Fachwerk-Systeme (von Q-hega überpflanzt und von
Oesterreich zuerst auf dem Continente angewendet) kamen zur Anwen
dung und haben bei sorgfältiger Auswahl des Materials und genü
gendem Schutze gegen atmosphärische Einflüsse vorzügliche Resul
tate ergeben (z. B. die Howe’schen Gitter-Brücken der Südbahn).
Das einer leichten Zerstörbarkeit und daher einer kurzen Dauer
unterworfene Holz musste jedoch mit der zunehmenden Entwicklung
unserer Montan-Industrie bald durch das Eisen verdrängt werden,
welches neben den Vorzügen der grösseren Oekonomie und Solidität,
noch den unschätzbaren Vortheil bietet, durch die Benützung seiner
verschiedenen Varietäten (Stahl, Schmiede- und Guss-Eisen) die Ver-
bindung der constructiven Elemente in derjenigen Combination zu
ermöglichen, wie sie einestheils von der Wirkungsweise der Kräfte
und anderntheils von dem Ergebnisse der Rechnung gefordert wird.
Die Rechnung war überhaupt berufen — sollten anders die
Errungenschaften der fortschreitenden Wissenschaften nicht verloren
gehen — die breiteste Basis zu bilden für die Wahl und Anwendung
der Systeme, welche bei der grossen Zahl der auszuführenden Ueber-
brückungen den an sie gestellten Anforderungen zu entsprechen
haben: nämlich: mit dem geringsten Material-Aufwande die grösst-
möglichste Tragfähigkeit der Construction zu erzielen.
Allerdings sehen wir die Herrschaft der Mathematik sich nur
allmälig und schrittweise Bahn brechen und Jahrzehnte bedurfte es,
um der sichtenden Kritik des Calculs das ihm gebührende Recht des
letzten und maassgebenden Wortes zu erkämpfen.
Eine Parallele zwischen dem Vorgänge der 40er und 60er
Jahre beispielsweise, lässt auf der einen Seite das chablonenhafte und
höchstens noch durch empirisches Wissen geleitete Copiren, der uns
von dem Auslande überkommenen Systeme erkennen und zwar ohne
tieferes Eindringen in dessen Wesen und ohne genaue Rechenschaft
von dessen Function; auf der anderen Seite hingegen ein klares Ver
ständnis für das Princip und die Wirkungsweise der Construction,
deren Wahl nicht nur durch gründliches Vorstudium der obwaltenden
Verhältnisse bestimmt, sondern auch deren Elemente in Bezug auf
Anordnung, Vertheiluug und Querschnitts-Bestimmung durch die
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