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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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beweist das Schnirch’sche System. Die nach demselben (1860) 
gebaute Brücke über den Donau-Caual in Wien (Spannweite gleich 
83 Meter) bildet die Verwirklichung eines bis dahin ungelösten 
Problems, nämlich die Benützung der Ketten-Brücken für Locomotiv- 
Betrieb. 
Das System besteht in der Verstrebung zweier unter einander 
in grösserer Distanz aufgehängten Ketten. Der durch die Verstrebung 
erzielte Biegungs-Widerstand des Kettenbalkens behebt die Schwan 
kungen und lässt die Construction als einen verankerten gekrümmten 
Balken, oder auch als einen steifen in umgekehrter Richtung auf- 
gestellten Bogen betrachten, an welchen die Brückenbahn gehängt 
ist. Das eine Maximal-Spannweite gestattende System sichert dem 
selben im erhöhten Grade ökonomische Vortheile nicht nur durch 
eine wesentliche Verminderung des Material-Aufwandes, sondern 
auch durch die Vermeidung oder Beduction der kostspieligen Muss- 
Pfeilerbauten ■). — Es ist demnach kein Zweifel, dass das System, 
besonders bei Thal- und Strom-Uebersetzungen umsomehr Anwen 
dung finden wird, als die bereits über-ein Jahrzehnt bestehende 
Brücke über den Donau-Canal den an sie gestellten Anforderungen 
in jeder Beziehung entsprochen hat. 
Indem wir mit dieser kühn erfassten Oesterreich eigenthüm- 
lichen Verbesserung des Ketten-Systems unseren Bericht schliesseu, 
fassen wir im Nachstehenden die charakteristischen, auf die 
Geschichte des österreichischen Brückenbaues in dem Zeiträume 
von 1750 bis auf die neueste Zeit bezughabenden Momente kurz 
zusammen. 
Bis zu dem Beginne unseres Jahrhunderts hat man in Oester 
reich den hölzernen Bogen als diejenige Form betrachtet, mittelst 
welcher grosse Spannweiten am wohlfeilsten und zweckmässigsten 
überspannt werden können. Nur allmälig gesellten sich dem Bogen- 
auch die Häng- und Sprengwerke bei. Das Holz, welches ursprüng 
lich zu sämmtlichen Theilen der Brücken verwendet wurde, wird bald 
) Si e h e die erste Kettenbrücke für den Locomotiv-Betrieb, projectirt 
underbautim Jahre 1859-1860 von FriedrichSchnirch, k. k. Ober-InSpector, 
Wien 1861.
	        
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