153
durch den Stein verdrängt, welcher zur Herstellung der Widerlager
und Pfeiler benützt wird.
Erst in den dreissiger Jahren gelangten Stein und Eisen zur
grösseren Geltung. Das erstere Material wird zur einheitlichen
Durchführung des Baues (Gewölbe) und das letztere zu Ketten-Brücken
(aus Schmiede-Eisen) sowie gusseisernen Bogenbrücken verwendet.
In eine neue Phase der Entwicklung tritt der Brückenbau mit
der in dem vierten Jahrzehnt beginnenden Aera der Eisenbahnen.
Während nahezu alle Systeme des Auslandes getreue Nachahmung
finden, so wird den geraden Balkenbrücken eine ganz besondere
Pflege zugewendet und dieselben einer sichtenden Kritik, sowie
wesentlichen Verbesserungen unterzogen. Namentlich gilt diess von
der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts und erscheint die ebenso
wissenschaftliche als rationelle Durchführung der Construction als
Kriterium der Neuzeit gegenüber der einfachen Nachahmung fremdländischer
Systeme in der Epoche der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts.
Neben den wichtigen Verbesserungen, welche die uns aus dem
Auslande überkommenen Systeme erlitten haben, können wir nur
drei als in Oesterreich producirte wichtige Neuerungen bezeichnen,
nämlich das System der eisernen Böhrenbogen-Hängebrücken (1837),
das der Bogenbrücke auf elastischen Pfeilern, der Theiss-Brücke
in Szegedin (1858) und das der versteiften Ketten - Brücken
(1860).
Wrien besitzt eine grosse Zahl der in Oesterreich zur Ausführung
gelangten Typen in Holz, Stein und Eisen. Wir können daher
empfehlen, die in dem Weichbilde der Residenz befindlichen Brücken
zu besuchen und in Natura zu studiren, wobei wir der Tegetthoff-Brücke
über den Wienfluss als einer der schönsten eisernen Bogen-Brücken
(System Köstlin und Battig) besonders gedenken.
Wir würden uns des Vorwurfes der Unvollständigkeit schuldig
machen, wenn wir bei der Geschichte des österreichischen Brücken-Baues
nicht eines vaterländischen Vereines gedenken würden, dessen
Thätigkeit einen wichtigen Einfluss auf die wissenschaftliche Bich-