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Diesem folgte die Anlage des gleichfalls unter der grossen Kaiserin
erbauten Lazareth-Bassins, so genannt von dem dazu gehörigen
Neuen oder Theresien-Lazarethe *) (vollendet 1768). Die eben
genannten Bau-Objecte, der Molo an der südöstlichen und das
Lazareth an der nordöstlichen Extremität der Rhede gelegen,
markiren deren Endpuncte und bilden die auf den genannten Ob
jecten errichteten Batterien, im Vereine mit den auf den Höhen um
Triest placirten, das Vertheidigungs-System der nach Westen offenen
Rhede.
Schifffahrts- und militärische Rücksichten geboten daher die
Ausführung dieser zwei wichtigen Arbeiten. Nach deren “Vollendung
wurde an die Anlage der Quai’s und Moli, respective an die Ein
rahmung der Rhede geschritten. Diese Arbeit ging bei der Kost
spieligkeit der Bauten und der grossen Ausdehnung der Rhede nur
allmälig und langsam vor sich. Anfänglich nur auf zwei Drittel der
Rhede, den der Stadt zunächstgelegenen Theil beschränkt, wurde
sie erst mit der Epoche der Eisenbahn (eröffnet 1857) auf die resti-
rende Strecke ausgedehnt, so dass es nahezu eines ganzen Jahrhun
derts bedurfte, um der Triester Rhede die ihr vor dem Beginn des
neuen Hafenbaues eigenthümliche Gestalt zu geben **).
Die so gestaltete Rhede entsprach jedoch nicht den Anforderungen,
welche heute an einen modernen Hafen gestellt werden. Hinderung
*) Triest an dem illirischen,Fiumeim ungarischen Küstenlande, Mcgline
in Dalmatien und seiner Zeit Venedig, sind Häfen 1. Classe das heisst
solche, welche Schiffe aus allen Ländern der Erde aufnehmen können und
deshalb auch zu dem Empfange der aus dem Oriente kommenden Fahrzeuge
mit den notwendigen Lazarethen versehen sein müssen. Ueber Anlage des
Triester Lazarethes, respective der Anordnung der Wohngebäude, Magazine,
Bassins etc. siehe Förster’s „Bau-Zeitung“ Jahrgang 1842: „Die See- und
Sanitäts-Anstalten in Triest.“
**) An zahlreichen Projecten zur Ergänzung der Rhede hat es nicht
gefehlt. Wir könnten nahezu ein Dutzend von Secker (1803), Wiebeking
(1804), Peracoca Istriano (1808), k. k. küstenländische Bau-Direction (1825
und 1833) und Anderen aufzählen. Die vorherrschende Tendenz derselben
war Beschränkung der Rhede auf % der Ausdehnung, Verwandlung der
selben in einen geschlossenen Hafen und möglichste Rücksichtnahme auf
dessen militärische Vertheidigung. Keines derProjecte kam zur Ausführung
und beschränkte man sich blos darauf Quai’s und Moli in der von der
Schifffahrt gebotenen Ausdehnung herzustellen. Da der Verkehr der
Letzteren erst in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts einen besonderen
Aufschwung nahm, so beginnt eine grössere Entwicklung der Bauthätig-
keit auch nur von der genannten Epoche an.