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des freien Schiffsverkehrs, sowie Mangel an leichter und inniger Ver
bindung zwischen Wasser- und Bahnstrasse sind die wesentlichen
Uebelstände der Khede und mussten mit der wachsenden Schiffs-
Bewegung immer empfindlicher werden.
Zur Beseitigung dieser Uebelstände entschloss sich die öster
reichische Regierung die nordöstliche Hälfte der offenen Rhede in
einen geschlossenen Hafen zu verwandeln, um denselben mit allen
von dem heutigen Stande der Schifffahrt gestellten Anforderungen zu
versehen. Da der in das Jahr 1868 fallende Beginn des Baues ausser
dem Bereiche unseres Berichtes liegt, so erlauben wir uns nur kurz
zu bemerken, dass durch die neue Anlage folgende Elemente der
Schifffahrt zur Benützung geboten werden: drei durch einen Hafen
damm geschützte Bassins mit einem Fassungsraume von wenigstens
150 grossen Handelsschiffen (beispielsweise die des österreichischen
Lloyd), vier geräumige Moli, ausgedehnte Lagerflächen mit einem
Gesammtbetrage von nahezu 30 Hectares (über 52 V« österreichische
Joch), eine Quai-Entwicklung von nahezu 4000 Metern (2100°) und
endlich eine Minimal-Wassertiefe von 6 Metern (316°) *).
Fiume. Die Stadt Fiume besitzt eine offene Rhede wie Triest,
jedoch ohne die von der Natur begünstigte Situation der letzteren.
Zwei zu verschiedenen Zeiten erbaute und mit einander nicht in Ver
bindung stehende Bassins bilden die einzigen, dem Seeverkehre
dienenden Wasserflächen.
*) Die neue Anlage ist auf das von Talabot im Jahre 1861 vor
gelegte, die Umwandlung der ganzen Triester Rhede zu einem geschützten
Hafen bezweckende Project basirt. Oekonomische Gründe bestimmten die
österreichische Regierung vorläufig nur die eine Hälfte der Rhede der
modernen Reform zu unterziehen und wurden zur endgiltigen Feststellung
des Planes zahlreiche Commissions-Sitzungen (siehe : „Das Triester Hafen-
Project nach den Beschlüssen der in Triest abgehaltenen Commission“.
Wien 1862) mit Beiziehung des Marseiller Hafenbau - Directors Pascal
abgehalten, als deren Resultat ein Project hervorging, welches noch während
der Ausführung selbst den im Interesse der Schifffahrt zweckdienlichen
Modificationen unterzogen wurde. Die Ausführung des neuen Hafens inclu
sive der damit verbundenen Ablenkung der Wildbäche Klutseh undMartesin
kostet die Staats-Verwaltung 13 */, Millionen. Ausführliches über den Triester
Hafen, siehe Zeitschrift des Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Vereines,
J. 1872: „Die Material-Beschaffung für den Triester Hafen“ und Allgem.
Bauzeitung, J. 1872: „Der Betrieb der Steinbrüche von Sittiana für den
Triester Hafenbau“.