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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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gemacht  und  auch  1827  eine  neue  Guillochir-Maschine  construirte,
die  nicht  viel  über  einen  Quadrat-Fass  Raum  einnimmt,  sehr  leicht
transportabel  ist  und  bei  welcher  sowohl  Arbeitsstück  als  auch  Dreh-Stahl
  entweder  jedes  einzeln  oder  beide  zugleich  in  Bewegung  gesetzt
werden  können,  wodurch  unendlich  viele  Abänderungen,  besonders
geradliniger  Dessins  möglich  werden.
Der  Ingenieur  und  Mechaniker  Franz  Xaver  Wurm*)  überrascht ­
  durch  die  wahrhaft  bewundernswerte  Productivität  und  Vielseitigkeit ­
  im  Gebiete  der  praktischen  Mechanik,  und  zwar  zu  einer
Zeit,  wo  die  Dampfmaschine  in  Oesterreich  noch  zu  den  Seltenheiten
gehörte.
Von  seinen  vielen  Arbeiten  wollen  wir  hier  den  Transmissions-Motor
  und  die  Sortir-Maschine  erwähnen;  der  erstere  wird  durch
Fortpflanzung  des  Luft-Druckes  getrieben  und  setzte  in  dem  oberen

*)  Franz  Xaver  Wurm  war  von  besonderer  Vorliebe  für  Physik
und  Mechanik  eingenommen  und  fand  im  Geschäfte  seines  Oheims,  den
Rad-  und  Hammer-Gewerken  zu  Hüttenberg',  sowie  bei  Johann  Türk  in
Guttaring  in  Kärnten  die  günstigste  Gelegenheit  zum  Studium  der  praktischen ­
  Mechanik  und  der  berg-  und  hüttenmännischen  Ausführungen;  die
Herstellung  von  Sackpumpen  (1808J,  Feuer-Spritzen  ohne  Stiefel  und
Kolben,  Wasserrädern,  Schöpf-  und  Paternoster-V r erken  waren  seine  ersten
Leistungen.
Der  von  Napoleon  1810  ausgeschriebene  Preis  einer  Million  Franken,
für  Erfindung  der  besten  Flachs-Spinn-Maschine  veranlasste  ihn  schon  im
Jahre  1811—1812  in  Kärnten  eine  solche  Maschine  zu  construiren.  Nach
vielen  misslungenen  Versuchen  wurde  endlich  in  der  Nähe  Wiens  durch
eine  Actien-Gesellschaft  eine  Flachs  -  Spinnerei  nach  Wurm’s  System
errichtet,  die  indess  bei  den  ungünstigen  äusseren  Verhältnissen  nicht  lange
bestand.
Vom  Erzherzog  Johann  aufgefordert,  verfertigte  er  im  Jahre  1817  für
Watt  &  Boulton  in  London  das  Modell  für  ein  Dampfschiff-Ruderrad  mit
stets  vertical  wirkenden  Schaufeln.
Er  erfand  ferner  eineHanfseil-Näh-Maschine  und  eine  Schlag-Maschine
für  das  Arsenal  nach  Plymouth,  für  Herrn  Devis  eine  Perl-Stick-Maschine,
künstliche  Füsse  mit  Hilft-,  Knie-  und  Knochen-Gelenken,  mehrere  Kreissäge-Maschinen, ­
  für  das  Blinden-Institut  eine  Schreib-Maschine.
Er  erfand  einen  unübertragbaren  Waaren  -  Stempel,  Gebläse-Dosen
zu  Hochofen-Gebläsen  mit  erhitzter  Luft,  ein  Maschinen-System  zur  Erzeugung ­
  von  Kopfnägeln  auf  kaltem  Wege;  eine  Dratseil-Spinn-Maschine,
worauf  Seile  von  mehr  als  5000  Klafter  erzeugt  werden  können;  eine  Goldund
  Silber-Dratzug-Maschine  von  36  Fuss  Länge  mit  Ketten  ohne  Ende.
Von  Seite  der  k.  k.  Hof-Kammer  wurde  er  mit  der  Ausführung  und
Herstellung  des  ganzen  Maschinen-  und  Werkbaues  im  k.  k.  neuen  Haupt-Münz-Gebäude
  betraut.
Die  Aufstellung  der  ersten  Dampf-Maschine  in  Idria  erfolgte  unter
seiner  Leitung.
            
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