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der Industrie, zum gegenwärtigen National-Wohlstände Böhmens*).
Yiele Schwierigkeiten machte schon damals die Regelung der
Sprachenfrage, doch wurde auch in dieser Beziehung ein Ueberein-
kommen erzielt. Wenngleich einerseits nach Möglichkeit für die
Verbreitung und Verallgemeinerung der deutschen Sprache gesorgt
wurde und gesorgt werden musste, so vermied man doch andererseits
mit ängstlicher Vorsicht Alles, was als Bestreben, die Muttersprache
ausrotten zu wollen, hätte gedeutet werden können.
Die Grund-Prineipien, nach welchen der Nachfolger der grossen
Kaiserin, deren Verdienste um das Unterrichtswesen zu jeder Zeit
die vollste Anerkennung finden werden, Kaiser Josef II. in Schul- und
Unterrichts-Angelegenheiten vorging, sind im Grunde genommen wohl
dieselben, wie jene, die seiner erhabenenMutter als Richtschnur dienten,
und die zum Theile schon im Entwürfe des Grafen v. Pergen ausge
sprochen waren, nämlich: „Unbedingte Unterordnung des gesammten
Erziehungs- und Unterrichtswesens unter die Autorität des Staates,
möglichste Gleichförmigkeit in der Einrichtung der einzelnen Unter
richts-Abtheilungen und Heranbildung praktisch geschulter Staats
und Kirchendiener.“ Bezüglich des letztem Pünctes gab sich Josef II.
leider der Täuschung hin, dieses Ziel auch ohne besonders sorgfältige
Pflege der hohem, nicht gerade direct auf praktischen Erfolg gerich
teten Studien erreichen zu können.
An die Stelle des zur Organisirung des ungarischen Unterrichts-
Wesens nach Pressburg gesendeten Pelbiger trat J. A. Gail als General -
Director der Normal-Schulen; unter Josef dem II. war er für das
Volksschul-Wesen wohl fast allein maassgebend, da der Präsident der
Studien-Hof-Commission Gottfr. Freiherr van Swieten auf dasselbe
meist nur insoferne Einfluss ausübte, als er eben bestrebt war, die
von Maria Theresia gelegte Basis des gesammten Unterrichtswesens
durch zwingende Gesetze und Verordnungen zu befestigen und den
Ausbau ihres Werkes zu beschleunigen.
*) Im Jahre 1790 bestanden in Böhmen 232 solcher Volks- und Indu
strie-Schulen, in denen die Kinder ausser in den gewöhnlichen Volksschul-
Gegenständen auch im Spinnen, in der Seiden-, Bienen-, Obstbaum-
Zucht u. s. w. unterrichtet wurden.