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Orgelspiel und in der Landwirtschaft trat der in den weiblichen
Handarbeiten.
Candidaten für Bürgerschulen mussten das 17. Lebensjahr
zurückgelegt und eine vollständige Realschule oder eine drei-
classige Unter-Realschule sammt dem Präparauden-Curse absolvirt
haben. Gemeinsamen Unterricht erhielten selbe aus der Religion, der
Pädagogik und Methodik, dem Zeichnen und dem Schönschreiben,
im Uebrigen stand ihnen jedoch die Wahl einer der drei Gruppen
von Lehrfächern — Sprachfaeh, Geschichte und Naturgeschichte;
Mathematik, Zeichnen und Physik; Naturgeschichte, Physik, Chemie
und Mathematik — frei; nach Absolvirung eines 2jährigen Bildungs-
Curses hatten sie sich einer schriftlichen und mündlichen Prüfung aus
den Gegenständen der gewählten Gruppe sowie einem Probevortrage
zu unterziehen.
J. M. Hinterwaldner.
Realschulen*).
Die ersten Spuren einer Bedachtnahme auf specifisch reale Bil
dung begegnen uns in Oesterreich etwa um die Mitte des 18. Jahr
hunderts; im Jahre 1745 ordnete nämlich Maria Theresia über van
Swieten’s Vorschlag an den Universitäten Vorlesungen über Experi
mentalphysik und im Jahre 1751 die Errichtung einer „mechanischen
Lehrschule“ in Mähren an, doch wurde die Durchführung des diess-
bezüglichen von Rabstein entworfenen Lehrplanes durch den Mangel
an tüchtigen Lehrern und passenden Schulbüchern sowie durch den
Ausbruch des siebenjährigen Krieges zum Scheitern gebracht. Im
*) Vergleiche die diessbeziiglichen ausgezeichneten Arbeiten von
Dr. Picker in Dr. K. A. Schmid’s Encyklopädie des gesammten Erziehungs
und Unterrichtswesens (Artikel „Oesterreich“) und von Beer & Hochegger
(Die Fortschritte des Unterrichtswesens in den Cultur-Staaten Europa’s),
nach welchen die folgende Skizze vorzugsweise zusammengestellt wurde.
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