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praktischen Curses: Religion, Muttersprache und eine zweite lebende
Sprache (Fortsetzung des Realsehul-Unterrichtes), Geschäftsaufsätze,
Vaterlandskunde, kaufmännische Arithmetik inclusive Zoll- und
Wechselkunde, mechanische und Bau-Technologie, Waarenkunde,
Bau- und Maschinenzeichnen. In der Ober-Realschule sollten gelehrt
werden: Religion, Muttersprache (Ziel: Stylistische Gewandtheit und
genaue Kenntniss der wichtigeren Erscheinungen ihrer neuern Lite
ratur, Lectüre guter Uebersetzungen aus fremden Literaturen), eine
zweite lebende Sprache, allgemeine Geschichte und Statistik, Algebra
und Geometrie als streng beweisende Wissenschaften, Naturgeschichte
und Physik, Freihandzeichnen mit Hiiiwirkung auf Geschmacks
bildung, Linearzeichnen in Verbindung mit derProjections-Lehre, der
Schattengebung und dem perspectivischen Zeichnen (zusammen in
jeder Classe 30 wöchentliche Stunden).
Bezüglich der anderweitigen Organisation sollten die Realschulen
den Gymnasien möglichst gleich gehalten werden.
Kaiser Franz Josef I. genehmigte die Durchführung der Real
schul - Organisation nach den Exner’schen Principien, und schon
begann man selbe in’s Werk zu setzen, als neuerdings wieder
Berathungen angeordnet wurden, aus welchen das „Statut“ vom
13. August 1851 hervorging. Selbes nahm der Realschule den Cha
rakter einer Anstalt für allgemeine Bildung zum grossen Theile und
wandelte sie in erster Linie in eine Vorbereitungs-Anstalt für die
Technik und gewisse andere gewerbliche Geschäftszweige um. Der
Sprach-Unterricht wurde auf die Muttersprache beschränkt uud
sollte nur in gemischten Bezirken auch noch die zweite Landes
sprache als Unterrichtssprache dazu kommen, der geschichtliche
Unterricht wurde in der Unter-Realschule dem geographischen voll
ständig subordinirt, ein grosser Theil der im Organisations-Entwürfe
dem praktischen Curse zugewiesenen Gegenstände, sowie allgemeine
Chemie dem Lehrplane der Unter-Realschule, technische Chemie und
Maschinenlehre dem der Ober-Realschule eingefügt, die Stundenzahl
für das Linear- und Freihandzeichnen fast um die Hälfte (von
32 wöchentlichen Stunden auf 52) erhöht und die Kalligraphie in
die 4., eventuell auch in die 5. Realschul-Classe aufgenommen.