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mehrerer neuer Bealschulen die Lehrplan-Beform mehrfach und ein
gehend ventilirt. Tabor und Chrudim entschieden sich für die Errich
tung von Beal-Gymnasien und wurden schon im nächsten Jahre
derartige Anstalten auch in Wien, Baden und St. Pölten errichtet.
Yon hoher Bedeutung für die damaligen Beform-Bewegungen
waren insbesonders die Verhandlungen des Vereins „Mittelschule“
über den Lehrplan der Beal-Gymnasien, sowie die Abhandlungen von
J. Weiser im 12. und 13. Jahres-Berichte derk. k. Ober-Bealschule in
der Vorstadt Landstrasse (Wien 1863 und 1864). Das Gutachten des
Unterrichtsrathes vom 19. April 1864 erkannte die Berechtigung der
neuen Entwieklungs-Bichtung an und geschieht dasselbe auch durch
die neuen die Bealschulen betreffenden Landes-Gesetze *).
J. M. Hinterwaldner.
Gewerbeschulen.
Die in Oesterreich bestehenden Schulen gewerblichen Charakters
lassen sich in zwei Kategorien theilen, nämlich in allgemeine
Handwerker - Fortbildungsschulen mit Sonntags- und Abendunter
richt, und in specielle gewerbliche Fachschulen mit vorwalteud
ganztägigem Unterricht.
I Allgemeine Handwerker-Fortbildungsschulen. Diese
Schulen, welche man in neuerer Zeit in Oesterreich mit dem Namen
Gewerbeschulen bezeichnet, haben denZweck, Lehrlingen, welche
den Tag über bereits beim Handwerke beschäftigt sind, solche allge
meine Kenntnisse und Fertigkeiten (ohne Eingehen auf ein specielles
Gewerbe) beizubringen, wodurch sie in den Stand gesetzt werden,
ihr Geschäft intelligent zu betreiben. Es wird also hier nicht, wie
*) "V ergleiche die Jahresberichte des k. k. Ministeriums für Cultus
und Unterricht, Wien, Hof- und Staatsdruckerei, 1871 u. s. f.