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bei den in Deutschland unter dem gleichen Namen bestehenden
Schulen, welche ausserdem auch ganztägigen Unterricht haben, eine
wissenschaftliche Vorbereitung zu höheren technischen Studien oder
zu niederem Gewerbebetriebe, sondern lediglich, mit Benutzung
weniger freier Sonntags- und Abendstunden, theils eine Ergänzung
der in diesen Kreisen meist mangelhaften Schulbildung, und eine auf
das Nötigste beschränkte Bekanntmachung mit den Hilfswissen
schaften der technischen Praxis, mit Ausschluss jedes humanitären
Bildungs-Gegenstandes angestrebt.
Der erste Keim der Gewerbeschulen wurde mit den sogenannten
Sonntagsschulen für Handwerks-Lehrlinge gelegt, welche, mit den
Volksschulen vereinigt, sich nur auf den Unterricht im Lesen,
Schreiben, Bechnen zu Ergänzung und Mehrung des aus der Volks
schule Mitgebrachten beschränkten. Ebenso wurde durch Errichtung
von Sonntags-Zeichenschulen in den Hauptstädten Oesterreichs dem
gewerblichen Bildungsbedürfnisse bereits frühzeitig entsprochen.
Schon Kaiser Josef II. erklärte hierauf bezüglich im Hofbefehle vom
7. Juli 1783*): „dass in den Zeichnungsschulen der Knaben vorzüglich
die Anleitung zur Abzeichnung geometrischer Figuren, des Laub
und Schnitzwerks zu geben sei, als welcher Unterricht ihrer künftigen
Bestimmung zu Handwerkern oder Cotton-, Zitz- und Leinwand-
Druckerei-Fabrikanten am meisten entspreche.“
Obzwar bereits 1840 zur eingehenderen Förderung des gewerb
lichen Zeichenunterrichtes 4 ständische Zeichenschulen und zwar in
Prag, Olmütz, Lemberg und Graz, sowie eine Manufactur-Zeichen-
scbule**) in Wien mit ganztägigem Unterrichte bestanden, so hatte
man erst in den letzten drei Decennien die Zahl solcher Schulen zu
vergrössern, deren Besuch zu regeln und den Lehrstoff mit weiteren,
der gewerblichen Bildung nützlichen Gegenständen zu bereichern,
ernstlich angestrebt.
*) Ebenso verfügte Kaiser Josef II. im Hofbefehie vom 4. Februar
1782: „Die Bestimmung der Zeichnungsclasse an den Normal-Schulen sei
zur Anführung der Handwerker zur Verfertigung regelmässiger Pläne
und Risse.“
**) Dieselbe war mit der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna
bis zum Jahre 1848 vereinigt.
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