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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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berief ihn im August 1815 zu sich nach Paris und dort legte er den 
Grund zu den Sammlungen des Institutes. Mit einer grossen Anzahl 
von Apparaten, Modellen, Vorlagen, Büchern etc. kehrte er im Octo- 
ber nach Wien zurück. Noch am 6. November desselben Jahres 
eröffnete er die Vorlesungen am Institute mit einer Ansprache, welche 
in trefflicher Weise die Bedeutung der theoretischen, insbesondere 
der naturwissenschaftlichen und mathematischen Studien für die spätere 
Leistungsfähigkeit des Technikers hervorhob*). Von welch’ auf 
geklärtem Geiste Prechtl bei der Errichtung der neuen Anstalt 
geleitet war, sieht man auch daraus, dass er die Lehr- und Lern- 
Freiheit an derselben in grösserer Ausdehnung einführte, als ihr an 
der damaligen Universität vergönnt war und also auch in dieser 
Hinsicht dem polytechnischen Institute in Wien den Charakter einer 
Hochschule aufprägte **). 
Zur guten Stunde waren die beiden polytechnischen Institute 
zu Prag und Wien in’s Leben gerufen worden. Die Napoleonischen 
Oerstedt der Entdeckung des Elektro-Magnetismus nahe gekommen und 
als diese bekannt wurde, folgte er rasch mit Betrachtungen, die nicht ver 
fehlten, Aufsehen zu erregen. Seine „praktische Dioptrik“ (1828) leistete 
den Verfertigern achromatischer Fernrohre wesentliche Dienste. Den Auf 
schwung der gesammten „Technik“ in Oesterreich und den Nutzen des 
Wiener Institutes für denselben suchte er seit 1819 durch Herausgabe der 
„Jahrbücher des polytechnischen Institutes“ zu fördern. Von dieser geschätz 
ten Zeitschrift, in welcher sich zahlreiche Aufsätze von ihm befinden, 
erschienen zwanzig Bände. Im Jahre 1830 entschloss er sich, angeregt 
von Cotta, die jetzt so berühmte „technische Encyklopädie“ herauszugeben, 
in der nicht weniger als 90 Artikel von ihm selbst sind, und welche zwei 
fellos eine der wertvollsten Bereicherungen der technischen Literatur unseres 
in dieser Hinsicht so hervorragenden Jahrhunderts bildet. Als Resultat von 
vierzigjährigen Beobachtungen und Versuchen erschien 1846 sein „Flug 
der Vögel“. Als er 1849 aus Gesundheits-Rücksichten das 35 Jahre lang 
bekleidete Amt eines Directors des polytechnischen Institutes niederlegte, 
wurde er mit dem Leopolds-Orden ausgezeichnet und in den Ritterstand 
erhoben. Am 28. October 1854, nahezu 76 Jahre alt, starb er; mit Fug und 
Recht konnte man sagen, eine lebendig gewordene technische Encyklopädie 
sei mit ihm aus unserer Mitte geschieden. 
*) Rede bei der ersten Eröffnung der Vorlesungen am k. k. polytech 
nischen Institute in Wien, den 6. November 1815. Von J. J. Prechtl, Director 
dieses Institutes. Wien. C. Gerold. 
**) Näheres über die Gründung des Wiener polytechnischen Institutes 
theilen mit: .Jahrbücher des k. k. polytechnischen Institutes. 1. Band. 
Wien 1819.“ ,.Das k. k. polytechnische Institut in Wien, seine Gründung, 
seine Entwicklung und sein jetziger Zustand.“ Von W, Fr. Exner. 
Wien, 1861.
	        
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