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berief ihn im August 1815 zu sich nach Paris und dort legte er den
Grund zu den Sammlungen des Institutes. Mit einer grossen Anzahl
von Apparaten, Modellen, Vorlagen, Büchern etc. kehrte er im Octo-
ber nach Wien zurück. Noch am 6. November desselben Jahres
eröffnete er die Vorlesungen am Institute mit einer Ansprache, welche
in trefflicher Weise die Bedeutung der theoretischen, insbesondere
der naturwissenschaftlichen und mathematischen Studien für die spätere
Leistungsfähigkeit des Technikers hervorhob*). Von welch’ auf
geklärtem Geiste Prechtl bei der Errichtung der neuen Anstalt
geleitet war, sieht man auch daraus, dass er die Lehr- und Lern-
Freiheit an derselben in grösserer Ausdehnung einführte, als ihr an
der damaligen Universität vergönnt war und also auch in dieser
Hinsicht dem polytechnischen Institute in Wien den Charakter einer
Hochschule aufprägte **).
Zur guten Stunde waren die beiden polytechnischen Institute
zu Prag und Wien in’s Leben gerufen worden. Die Napoleonischen
Oerstedt der Entdeckung des Elektro-Magnetismus nahe gekommen und
als diese bekannt wurde, folgte er rasch mit Betrachtungen, die nicht ver
fehlten, Aufsehen zu erregen. Seine „praktische Dioptrik“ (1828) leistete
den Verfertigern achromatischer Fernrohre wesentliche Dienste. Den Auf
schwung der gesammten „Technik“ in Oesterreich und den Nutzen des
Wiener Institutes für denselben suchte er seit 1819 durch Herausgabe der
„Jahrbücher des polytechnischen Institutes“ zu fördern. Von dieser geschätz
ten Zeitschrift, in welcher sich zahlreiche Aufsätze von ihm befinden,
erschienen zwanzig Bände. Im Jahre 1830 entschloss er sich, angeregt
von Cotta, die jetzt so berühmte „technische Encyklopädie“ herauszugeben,
in der nicht weniger als 90 Artikel von ihm selbst sind, und welche zwei
fellos eine der wertvollsten Bereicherungen der technischen Literatur unseres
in dieser Hinsicht so hervorragenden Jahrhunderts bildet. Als Resultat von
vierzigjährigen Beobachtungen und Versuchen erschien 1846 sein „Flug
der Vögel“. Als er 1849 aus Gesundheits-Rücksichten das 35 Jahre lang
bekleidete Amt eines Directors des polytechnischen Institutes niederlegte,
wurde er mit dem Leopolds-Orden ausgezeichnet und in den Ritterstand
erhoben. Am 28. October 1854, nahezu 76 Jahre alt, starb er; mit Fug und
Recht konnte man sagen, eine lebendig gewordene technische Encyklopädie
sei mit ihm aus unserer Mitte geschieden.
*) Rede bei der ersten Eröffnung der Vorlesungen am k. k. polytech
nischen Institute in Wien, den 6. November 1815. Von J. J. Prechtl, Director
dieses Institutes. Wien. C. Gerold.
**) Näheres über die Gründung des Wiener polytechnischen Institutes
theilen mit: .Jahrbücher des k. k. polytechnischen Institutes. 1. Band.
Wien 1819.“ ,.Das k. k. polytechnische Institut in Wien, seine Gründung,
seine Entwicklung und sein jetziger Zustand.“ Von W, Fr. Exner.
Wien, 1861.