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dem technischen Unterrichte in Oesterreich die Bahn brachen. Die
Bemühungen der beiden ersteren führten zur Errichtung der Anstalten
zuPrag und zu Wien, denen sich bald noch fernere zugesellten. Nach
wenigen Jahren konnte Prechtl von der Wiener Hochschule schreiben:
„So reift allmälig das Institut von der zarten Pflanze, die jeder
Windstoss beugt, zum festgewurzelten Baume, der reichliche Früchte
trägt.“ Zu solcher Aeusserung wurde er veranlasst durch die Vollen
dung des Instituts-Gebäudes und die beinahe von Jahr zu Jahr statt
findende Vermehrung der Lehrkanzeln. Letztere entsprach dem aus
serordentlichen Aufschwünge der Industrie, der Technik und des
Verkehres, welcher in der Ausbildung des Maschinen-Wesens, der
technischen Chemie, der Eisenbahnen, Dampfschiffe und Telegraphen
gipfelt. Bildet aber jetzt, um nur ein Beispiel anzuführen, die Loeo-
motive allein bereits den Gegenstand selbständiger ausführlicher
Werke, so wurde es schliesslich für den Schüler unmöglich, sich auch
nur lernend jene encyklopädische Uebersicht zu verschaffen, welche
am Anfänge der Periode den obengenannten Meistern sogar lehrend
zu vertreten möglich war. Früher als an der Wiener Anstalt
erkannte man diess an den jüngeren Instituten in Deutschland und der
Schweiz. Man führte für diellauptzweige des technischen Berufes Fach
schulen ein und gewann damit in der Ausbildung fürspeeielle Sphären
einen Augenblick den Vorsprung vor uns. Diess erregte nun auch bei
uns den Buf nach Fachschulen, welchem die österreichischen Institute
durch zeitgemässe Beorganisationen, darunter die des Wiener Insti
tutes im Jahre 1866*), gerecht wurden. Als solche Fachschulen
wurden meist unterschieden: die Ingenieur-Schule, die Maschinen-
Bauschule, die chemisch-technische Schule und die Bauschule.
Der reichen und bunten Entfaltung des technischen Lebens
konnte aber eine solche Facheintheilung nicht völlig Genüge leisten,
besonders, wenn sie, wie es anfangs geschah, mit dem Zwange der
*) Vergleiche das mit allerh. Entschliessung vom 17. October 1865
genehmigte neue „Organisations-Statut des k. k. polytechnischen Institutes
in Wien“. Die Motive erfährt man zum grössten Theile aus der als Manu-
script gedruckten Schrift: „Entwurf eines Organisations-Statutes für das
k. k. polytechnische Institut in Wien.“ Sammt Motiven im Aufträge des
hohen k. k. Staats-Ministeriums verfasst von dem Professoren-Collegium
dieser Anstalt. Wien, 1864.