Zur Geschichte der Geographie.
Es darf nicht übersehen werden, dass die Geographie, wie wir
den Begriff heute auffassen, eine junge Wissenschaft ist und ihre
Entwicklung sich an mehr Bedingungen knüpft, als die anderer
Wissenschaften, da sie nicht nur der andern bedarf, und zwar in einer
gewissen ihr zusagenden Form, sondern mit der Anregung und För
derung ihres Studiums auch an Umstände gewiesen ist, die zum
grossen Theil ausserhalb der Wissenschaft liegen. Niemand wird den
Einfluss leugnen, den die Vermehrung und Vervielfältigung der Ver
kehrsmittel auf das Studium der Geographie übt, oder die Erleich
terung, welche die vorgeschrittene Technik in der graphischen Dar
stellung geographischer Objecte, in der Vervollkommnung hypso
metrischer Instrumente bietet, endlich den Vortheil, den eine von
reichen Anschauungs-Mitteln unterstützte Lehr-Methode diesem
Studium entgegenbringt.
Mit dieser Erwägung versetzen wir uns in die Zeit, wo die
grosse Maria Theresia den schlummernden Geist des Wissens in
ihren Völkern wachrief, und lassen wir dabei, um gerecht zu sein, die
engen Grenzen des Begriffs nicht ausser Acht, der damals mit dem
Worte „Geographie 11 bezeichnet ward. Die kosmischen Verhältnisse
der Erde finden keinen Baum darin, sie gehören noch ausschliesslich
den Astronomen an, die damals in der Consolidirung ihrer eigenen
Wissenschaft begriffen waren. Die physikalischen Verhältnisse der
Erde finden ebenso wenig Baum darin, und von Pflanzen und Thieren
— ohne Spur der Bedeutsamkeit ihrer Verbreitung — wird nur bei
läufig geredet um der Seltsamkeit willen in halben Fabeln, wie vom
Bau und der Entwicklung der Erde in ganzen Fabeln. Das Um und
Auf der Geographie waren allgemeine und schwankende Bemerkungen