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über horizontale und verticale Lage der Länder, über Klima und
Production, die das besser gepflegte topographische Element als Kern
in sich schlossen; sowie es denn auch für die Entwicklung der
geographischen Literatur in Oesterreich characteristisch ist, dass in
jedem Zeitraum, den wir zu bezeichnen Anlass nehmen werden,
die Topographie den Schwerpunct der Bestrebungen bildet, an den
sich nach Maass des Fortschrittes der erdkundlichen Disciplin all-
mälig ein um das andere Element, erst äusserlich, dann immer
mehr den Stoff durch dringend, anschloss.
In der Zeit, die wir zum Ausgangspuncte unserer Betrachtungen
machen, waren die Natur-Wissenschaften in den österreichischen
Erblanden ein der Verödung anheimgefallenes Gebiet mit nahezu zer
bröckelnden Besten aus alter, schönerer Zeit, wo ein Crusius (in Wien)
zur Erforschung der österreichischen Flora seine beste Kraft ein
setzte, wo ein Kepler und Tycho-Brahe (in Prag) die Budolfinischen
Tafeln entwarf, die Grundlage aller astronomischen Berechnungen
ein Jahrhundert lang — wie Lalande ihnen nachrühmt. Auch der
Anlauf auf engerem geographischen Felde, den zu Ende des 17. Jahr
hunderts der Topograph Georg Matthäus Vischer genommen, blieb
ohne anregende Folge. Die Not der Zeit, das immer wiederkehrende
Kriegsgetöse und vornehmlich die leitenden Maximen in den höchsten
Kreisen verwehrten jede grüne Saat auf diesem Felde. Und wenn es
für das letztere eines Beweises bedürfte, er läge gewiss in der über
raschend rührigen Emsigkeit, die sich aller Orten kundgab, als Maria
Theresia den ernsten Willen aussprach, Bildung unter ihre Völker
zu bringen.
Der erste Zeitraum, aus welchem wir die literarischen Erschei
nungen auf geographischem Gebiet zu skizziren haben, reicht vom
Jahre 1750 bis 1814 und umfasst somit den grössten Theil der
Begierungszeit der grossen Kaiserin, die ganze Josefs II. und
Leopold’s II. und noch die sturmbew r egten Jahre Franz I. bis zum
sogenannten Weltfrieden.
Im Jahre 1759 erschien — nach dem Tode des Verfassers —
Friedrich Wilh. Weiskern’s „Topographie von Nieder-Oesterreich“
(Wien, 2 Bände), ohne dass der Verfasser die letzte Hand an sein