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Geographie in nächster Beziehung stehen und ihrer künftigen Ent
wicklung gleichsam den Weg weisen.
Astronomie und Mathematik waren unter Maria Theresia mit
Vorliebe gehegte Wissenszweige. Unter dem bescheidenen Titel:
„Ephemerides astronomicae ad meridianum Vindobonensem“ erschien
(1757—1806) zu Wien eine Reihe von Bänden, die — um mit den
Worten eines berechtigten Fachmannes zu reden — einen wahren
Schatz astronomischer Gelehrsamkeit enthalten. Von Max Hell im
t ereine mit Anton Pilgram begonnen und von dem letzteren während
Hells Abwesenheit zur Beobachtung des Venus-Durchgangs (1767)
fortgesetzt, fand das Werk später in Triesnecker und Bürg gleich
tüchtige Bearbeiter.
Für die geognostische Forschung auf österreichischem Boden
brach der hochbegabte Ignaz von Born die Bahn, durch seine eigenen
Arbeiten, wie durch Anregung verwandter geistiger Kräfte, die er —
der Erste in Oesterreich — zu einer wissenschaftlichen Association
vereinigte. Unter seinem Einflüsse entschied sich Kaiser Josef II. für
die zoologisch-botanische Mission, in welcher Professor Marter und
der Hofgärtner Fr. Boos 1783 nach Süd-Carolina, der letztere mit
seinem Collegen Scholl 1786 nach Süd-Afrika geschickt wurden.
Seines Schülers Carl Haidinger „Systematische Einteilung der
Gebirgsarten“ 1783 erhielt von der kais. Akademie zu St. Petersburg
den Preis; Andreas Stütz lieferte den ersten detaillirten Nachweis
über das Mineral-Vorkommen in Oesterreich unter der Enns (1783),
Joh. Ehrenreich v. Fichtel in seinen „Beiträgen zur Mineral-Geschichte
von Siebenbürgen (1780)“ und in seinen „Mineralogischen Bemer
kungen von den Karpaten (1791)“ wertvolles Material für die geolo
gische Kenntniss von Oesterreich.
Weitgreifender jedoch und das Ziel, dem die erdkundlichen
Bestrebungen zusteuern müssen, gleichsam im Geiste vorahnend,
wirkten in der Theresianischen Zeit zwei Männer, deren hier besonders
gedacht werden muss. Beide waren durch van Swieten nach Oester
reich gekommen und hatten sich schnell, wie es Fremden überhaupt
in keinem anderen Lande möglich wird, und mit freudigem Thaten-
Drange in die erhältnisse gefunden; beide geboten über eine mehr