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weniger oder mehr passiv, ja ablehnend verhalten. Der unselige
Unterschied von gefährlichem und ungefährlichem Denken hatte Kaum
in der Staats-Fürsorge gewonnen. Damit wich der lebendige Geist,
der in den Schulen sich zu regen begonnen und der frische freudige
Muth des Schaffens. Nicht an dem Wert der Leistung, sondern an
der unbedenklichen Form, in der sie gegeben war, oder an dem unbe
denklichen Gegenstände, dem sie sich zuwandte, hing theilweise die
Gunst der Förderung.
Diess macht es erklärlich, dass die naturwissenschaftlichenFächer
in der ersten Hälfte dieses Zeitraumes beinahe brach liegen, während
Geschichte — mit gewisser Beschränkung, — Topographie und
Statistik in ausgedehntem Maasse gepflegt werden und die Karto
graphie — unter militärischer Fürsorge — einen Aufschwung nimmt,
der für jene Zeit geradezu maassgehend ist. Und — merkwürdig —
in der zweiten Hälfte des Zeitraumes wechselt die Scene; die Natur
wissenschaften treten aus dem Hintergründe wohlbewehrt in’s Feld
und behaupten nicht nur dieses, sondern es ist ihnen insbesondere
Vorbehalten, den loyalen, würdigen Kampf um die Freiheit der Wissen
schaft zum Siege zu führen. Das kaiserliche Handschreiben vom
30. Mai 1846, welches die Gründung der Akademie der Wissen
schaften ausspricht, ratificirt diesen Sieg.
Ueberblicken wir die Leistungen auf geographischem Gebiete
während dieses Zeitraums, so ist vor Allem der österreichischen
Expedition nach Brasilien zu gedenken, die, 1817 auf Befehl des
Kaisers Franz I. ausgerüstet, mit der Ueberfahrt der Braut des
brasilianischen Kronprinzen, Erzherzogin Leopoldine, wissenschaftliche
Zwecke verbinden sollte. Sie wurde nach einem, vom Hof-Museen-
Director, v. Schreibers, entworfenen Plane ausgeführt und hatte neben
den naturhistorischen Fächern, welche durch Dr. J. Ch. Mikan,
Dr. J. E. Pohl, J. Natterer und Schott vertreten waren, auch allgemein
geographische Forschungen im Programm. Thomas Ender als Land
schaftsmaler, J. Buchberger als Pflanzenmaler waren der Expedition
beigegeben; der italienische Forscher Radi und die beiden für die nach
malige Erforschung Brasiliens so bedeutungsvollen Deutschen Spix
und Martius segelten mit.