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seitigen höchst achtbaren Talentes mit staunenswerter Arbeitskraft,
wenn man daneben seine Leistungen in der Landesvermessung,
Kartographie, Statistik und Topographie mit in Anschlag bringt.
In seinen „Grundlinien einer Encyklopädie der Kosmographie und
Statistik“ regt sich unter dem Zopf jener Zeit schon der Geist, der
später durch Carl Kitter befruchtend in’s wissenschaftliche Leben
drang.
Eine anregende Kraft, wie Lichtenstern, konnte nicht ohne
Einfluss bleiben. Diess zeigt sich vornehmlich in den Monographien
über einzelne Kronländer des Kaiserstaates, welche in diesem Zeit
raum zahlreicher, meist mit Beachtung des historischen und physika
lischen Elementes neben dem topographischen, theilweise schon mit
sorgfältiger Gliederung des Stoffes, um ein überschauliches Bild von
Land und Leuten zu geben, auf den Büchermarkt gebracht wurden.
Der vorzüglichsten sei hier in chronologischer Folge gedacht: 1816
Blumenbach „Landeskunde von Oesterreich unter der Enns“ (2. Auf
lage 1834); 1817 Hietzinger „Versuch einer Statistik der Militär
grenze des österreichischen Kaiserstaates“; 1819 Csaplovics „Kroatien
und Slavonien“, dem 1827 das „Gemälde von Ungarn“ folgte; 1822
Schmutz „Historisch-topographisches Lexikon von Steiermark“, 1833
bis 1849 Sommer „Das Königreich Böhmen, statistisch-topographisch
dargestellt“ (16 Bände, Prag), 1835 Wolny „Die Markgrafschaft
Mähren, topographisch, statistisch und historisch geschildert“ (Brünn,
6 Bände), 1836 F. Ens „Das Oppaland (der Troppauer Kreis) nach
seinen geschichtlichen, bürgerlichen und örtlichen Eigenthümlich-
keiten“ (4 Bände, Wien), 1837 Benigni v. Mildenberg „Handbuch
der Statistik und Geographie des Grossfürstenthums Siebenbürgen“.
Wesentlich gefördert wurde die Geographie durch die Statistik,
der es eben zu jener Zeit beschieden war, in Oesterreich einen raschen
und glänzenden Aufschwung zu nehmen. Schon im Jahre 1810 ward
in Kegierungskreisen der Gedanke einer Staats-Anstalt angeregt,
welche sich ausschliesslich mit der ziffermässigen Darlegung der
Kräfte des Gesammtstaates zu befassen hätte. Man liess ihn jedoch
wieder fallen, da die Grösse der Aufgabe bei den theilweise noch
unzulänglichen Hilfsquellen keinen lohnenden Erfolg in Aussicht stellte.