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Kaiser Franz aber bewahrte den ihm lieb gewordenen Gedanken, bis der
rechte Mann gefunden war. Mit Cabinet-Schreiben vom 6. April 1829
wurde die Errichtung eines statistischen Bureaus angeordnet und die
Durchführung in die bewährte Hand des Freiherrn v. Baldacci gelegt,
der damals Präsident des General-Kechnungs-Directoriums war. An
dessen Seite begegnen wir im ersten Director der neuen Anstalt,
Johann Freiherrn v. Metzburg, dem Begründer der administrativen
Statistik in Oesterreich. Seiner Einsicht und Energie auf dieser
durchaus neuen Bahn dankt sie die principielle Grundlage und die
ersten dem Ziele zugewandten Versuchsarbeiten. Mit Carl Czoernig,
der nach Metzburg’s Tode an die Spitze trat, erfolgte die Organisation
des Institutes im Geiste der vorgeschrittenen Wissenschaft, entschei
dend für dessen nachmalige Erweiterung und Selbständigkeit, für
die ehrenvolle Geltung, die dasselbe unter ähnlichen Instituten der
europäischen Staaten gewann und für den maassgebenden Einfluss,
den seine Leistungen auf die Förderung und Lösung national
ökonomischer Fragen übten. Von Czoernig’s Mitarbeitern, die er wie
selten einer zum freudigen Zusammenwirken wie zur praktischen
Verwertung der Wissenschaft anzuregen wusste, sind geographische
Arbeiten zu verzeichnen, welche den regelnden Einfluss der Statistik
auf die Behandlung des Stoffes unverkennbar wahrnehmen lassen, so
in den letzten Vierziger Jahren von J. Hain, J. Schmitt, J. V. Häufler
und V. Streffleur, später von Ad. Ficker, H. Brachelli, G. A. Schimmer.
Und wenn wir als reifste Frucht dieser Bestrebungen hier die „Ethno
graphie des österreichischen Kaiserstaates“ anführen, die Czoernig als
Commentar seiner „Ethnographischen Karte des Kaiserstaates“ (1855
bis 1857) erscheinen liess, so glauben wir damit einer hochverdienten,
bahnbrechenden Leistung gerecht zu werden, welche das ungetheilte
Interesse der Geographen in Anspruch nahm.
Heute von dem Einfluss der Natur-Wissenschaften auf die
Geographie zu reden, wäre müssig, da in der That wenig an der
Geographie ist, was nicht Natur-Wissenschaft wäre. Diese Verschmel
zung, die immer inniger werden muss, je klarer die Aufgabe der
Geographie erfasst wird, war in dem bezeichneten Zeitraum theilweise
noch in den Stadien unzulänglicher Versuche. In den geographischen
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