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oder verwaschen, die Höhe durch die Länge, die Neigung durch die
Stärke der Striche zu geben, Absätze durch kleine Berge zu marki-
ren, die Böschungs-Grade auf dem Kamme der Berge anzusetzen,
endlich 4 Gradirungen anzunehmen, welche der Bewegungs-Möglich
keit der Infanterie, Cavallerie, dem leichten und schweren Geschütz
entsprechen soll.
Etwas später hatte der preussische Major Ludwig Müller als
Professor der Kriegs-Akademie zu Berlin die ersten Grundlagen für
die Terrain-Lehre durch systematische Eintheilung des Stoffes, Fest
stellung der Nomenclatur etc. geschaffen, das Terrain nach der
Wasserspülung beurtheilt, und 8 verschiedene Gradirungen in Vor
schlaggebracht, deren Bezeichnungen: „sanft, flach, prall, stark, steil
jäh, schroff' und überhängend“ lauteten.
Diese Ideen, welche bald Verbreitung fanden und später unter
dem Titel: „Nachgelassene Schriften des Major Müller in Berlin 1807“
erschienen, mussten mit dem im Jahre 1792 bekannt gewordenen,
1799 veröffentlichten und noch bis zur Stunde in Geltung verbliebenen
Schraffen-Gesetze des sächsischen Majors Lehmann, der die verticale
Beleuchtungs-Theorie aufstellte und der Terrain-Darstellung mathe
matische Grundlagen zu verleihen suchte, auch auf die militärischen
Aufnahmen und auf die Kartographie in Oesterreich wesentlichen
Einfluss üben.
Die Vervollkommnung der Instrumente hielt gleichen Schritt
mit der Ausbildung der Terrain-Lehre und mit den technischen
Fortschritten in der Terrain-Darstellung.
Kaum waren daher die Aufnahmen der Monarchie im Jahre 1787
beendet, so wurden auch die Einleitungen zu einer genaueren. Ver
messung im Maassstabe 1 : 28.800 getroffen, der eine vollkommen
wissenschaftliche Grundlage gegeben werden sollte.
Noch im Jahre 1788 erhielt der Mailänder Astronom Oriani
den Auftrag, am Ticino eine Basis mit eisernen Stangen zu messen
und das trigonometrische Netz über das Mailändische zu spannen.
(Vollendet 1791.)
Die mittlerw'eile ausgebrochenen Kriege verhinderten die Vor
nahme der Vermessungs-Arbeiten. Nur in Galizien wurde die