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Die kartographische Darstellung der anthropologisch-geogra
phischen Verhältnisse der Monarchie hätte nicht so rasch zu Tage
gefördert werden können, wenn nicht verdienstvolle Männer und
wissenschaftliche Vereine zur Vervollkommnung aller Zweige somit
auch der Special- und Pach-Kartographie fruchtbringend mitgewirkt
hätten.
Schon in das Jahr 1785 fällt das rastlose Wirken des Josef
Max Freiherrn von Liechtenstern, den die österreichische
Geschichte zu den hervorragendsten Männern zählt*).
1726 veröffentlichte J. C. Müller, Capitän und Ingenieur, seine
Karte von Böhmen in 25 Blättern, die später 1764 die Grundlage
der Vermessung wurde.
Schrämbl, wiewohl schon früher thätig, begründete eigentlich
seinen Kuf erst 1805 durch die Herausgabe seines Welt-Atlasses in
132 Blättern, der in jener Periode, wo noch gute und verlässliche
Quellen schwer zu erlangen waren, sowohl bezüglich der Genauigkeit
der Arbeit wie auch hinsichtlich der Durchführung und des Stiches
epochemachend war, und von diesem Momente an, die hundertjäh
rigen Atlanten Homan’s vollkommen verdrängte.
!flU Iattern ’/ St . U c VOllende , t und hält das geometrische Verhältnis nicht
voUkommen fest. Siegewahrt den Vortheil einer raschen Orientirung und
schnellen Er assung der Situation, ist in Kupfer recht schön und mühsam
gestochen, aber höchstens in untergeordneten Schulen für den Anschauung-
und Uebergangs-Unterricht brauchbar. °
t Zu Wien 176o geboren, Sohn eines k. k. Offieiers eröffncte er im
20. Lebensjahre seine literarische Laufbahn mit dem Werke: „Ueber das
Studium der Geographie“, gründete 1790 das kosmographischc Bureau zu
\\ ien, unternahm 1797 die trigonometrische Aufnahme des Landes Ob der
Lnns, weiche die Basis zu seinem Entwürfe dieser Provinz wurde und voll
endete später den von Kindermann begonnenen Atlas der österreichischen
Monarchie.
Die Karte von Mittel-Europa, Liechtenstern’s bedeutendstes Unter-
m kartographischer Richtung, blieb unvollendet, es erschienen nur
45' Blatter.
Von unerschöpflicher Arbeitskraft, hatte er nebst den kartographischen
Arbeiten bis zu seinem 63. Lebensjahre über 45 Werke und Abhandlungen
des verschiedensten Inhaltes, oft unter dem Pseudonym „Klein“ veröffent-
lcht und sich unsterblichen Ruhm als Geograph und Statistiker gesichert.
Viele seiner gediegenen Schriften sind in mehreren Auflagen erschienen.
Ueberanstrengung raubte ihm in seinen letzten Lebensjahren das Denk-
V ermögen.
vxr (Näheres: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich von
W urzbaeh.)