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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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die  Lehrstätte  für  einige  von  jenen  Männern,  denen  die  heimische
Industrie  so  viel  verdankt.
In  unserem  Vaterlande  wurde  die  erste  mechanische  Anstalt  von
Bedeutung  durch  Johann  Voigtländer,  den  Grossvater  des  noch  lebenden, ­
  rühmlich  bekannten  Friedrich  Wilhelm  von  Voigtländer  gegründet. ­
  Wir  erwähnen,  dass  Johann  Voigtländer  im  Jahre  1770  eine
Theil-Maschine  für  geradlinige  Maasse  und  eine  Kreistheil-Masehine
erfand.  Astrolabien  und  Quadranten  waren  die  hauptsächlichsten
von  dieser  Anstalt  verfertigten  Instrumente.  Ausserdem  befasste
sich  Johann  Voigtländer  auch  mit  der  Einrichtung  von  Druckereien,
Spinnereien  u.  s.  w.
Nach  seinem  Tode  ging  die  Anstalt  in  die  Hände  seiner  beiden
Söhne  Wilhelm  und  Siegmund  und  später  auf  den  Sohn  des  letzteren
über;  leider  waren  diese  Kräfte  nicht  mehr  von  dem  Geiste  ihres
Vorfahren  beseelt,  was  die  Auflösung  dieses  Geschäftes  vor  circa
20  Jahren  zur  Folge  hatte.
Auf  der  anderen  Seite  sehen  wir  jedoch  glücklicherweise  den
Namen  Voigtländer  fortblühen.  Der  jüngste  Sohn  des  Johann  Voigtländer, ­
  nämlich  Friedrich,  suchte  sich  zunächst  aut  Reisen  auszubilden ­
  und  gründete  nach  seiner  Rückkehr  in  Wien  das  erste  optische
Institut  von  Bedeutung.  Durch  Friedrich  Voigtländer  wurde  die  in
England  angewendete  Methode  zum  Ziehen  der  Messing-  und  der  plattirten
  Rohre  und  wurden  die  in  England  neu  erfundenen  periskopischen
Augengläser  eingeführt.  Seine  Apparate  zur  Messung  der  Dicke  und
der  Elasticität  der  Fäden  von  Schafwolle  fanden  volle  Anerkennung
und  vielseitige  Anwendung.  Er  erfand  das  Doppel-Theaterperspectiv
(hiefür  wurde  ihm  1823  ein  ausschliessliches  Privilegium  ertheilt),
In  äusserst  grosser  Anzahl  wurde  das  von  Brewster  erfundene
Kaleidoskop  verfertigt.  Die  verdienstvollste  Leistung  seiner  umfangreichen ­
  Thätigkeit  war  unstreitig  die  exacte  Ausführung  des  in
der  mathematischen  Sammlung  des  k.  k.  polytechnischen  Institutes
aufbewahrten  Comparators  mit  dem  österreichischen  Urmaasse,  der
gesetzlichen  Wiener  Klafter.  Dieser  zum  Vergleich  von  Strichmaassen
(etalons  ä  traits)  äusserst  wichtige  Apparat  wurde  im  Jahre  1816
vollendet.

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