36
ihm von seiner Vaterstadt gebotenen Unterrichtsmittel das geworden,
was er war, ein vollendeter Künstler seines Faches.
Wer kennt nicht Plössl’s Feldstecher, jene handsamen Fern-
Robre mit den verschiedene Vergrösserungen darbietenden Ocularen,
welche Instrumente im Jahre 1830 der Oeffeiitlichkeit übergeben
wurden und welche die ähnlichen Instrumente der englischen Optiker
Gregory, Wright, Ramsden, Dollod nicht nur in der Vollkommen
heit der erzeugten Bilder erreichten, sondern auch noch manche andere
Vortheile boten.
Ein anderer Optiker Wiens, Zeitgenosse Plössl’s, nämlich
Schweiger verfertigte ebenfalls Feldstecher.
Der Glanzpunct der Leistungen Plössl’s auf dem Gebiete der
Optik wird immer die erste gelungene Ausführung des dialytischen
Fernrohres bleiben; die Herstellung grösserer achromatischer Objec-
tive scheiterte zumeist an der Unmöglichkeit, das Flintglas in den
geforderten Stücken vollkommen rein zu erhalten. Es würden daher
zur Behebung dieses Uebelstandes, um dabei aber doch die Bedingung
des Achromatismus zu erfüllen, verschiedene Vorschläge gemacht,
welche alle dahin zielten, die Flintglas-Linse von der Kronglas-Linse
in einer gewissen Entfernung im Innern des Rohres anzubringen,
wodurch selbe kleiner gemacht werden könnte. J. v. Littrow’s*)
(1781 — 1840) Untersuchungen über diesen Gegenstand (1827)
ergaben aber, dass zur Erreichung des gewünschten Zweckes das Kron-
glas von grösserem Brechungs- oder vom geringeren Zerstreuungs-
Vermögen oder aber das Flintglas von geringerem Brechungs- oder
*) Josef Johann Littrow wurde am 13. März 1781 zu Bischof-Teinitz in
Böhmen geboren. Der Tag seiner Geburt ist auch dadurch merkwürdig
geworden, dass mit demselben Tage, ja fast mit der Stunde der berühmte
Herschel das Licht eines neuen Planeten, des Uranus, sah. Den ersten
Schul-Unterricht genoss der schwächliche Knabe in seinem Geburtsorte; er
studirte in Prag die lateinischen Schulen und begann daselbst im Jahre 1798
die philosophischen Studien. Mathematik und griechische Philologie waren
jene Disciplinen, welche ihn vor Allem fesselten. Später ging sein Streben
dahin, sich so viel Wissen als möglich zu erwerben und so finden wir Littrow
mit juridischen, medicinischen, ja selbst theologischen Studien beschäftigt.
Von 1802 bis 1807 war er Erzieher der beiden Grafen Renard, in welcher
Zeit die Mussestunden der Mathematik, Astronomie und schönen Literatur
gewidmet waren.
Im Jahre 1807 wurde er zum Professor der Astronomie an der Kra
kauer Universität ernannt.