MAK

Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

46 
gelang, Saphir- und selbst Diamant-Linsen von grosser optischer 
Kraft anzufertigen. Er verliess indess bald diesen Weg, da die Sub 
stanz dieser Edelsteine nicht nur dem Schleifen ungemeine Hinder 
nisse bereitet, sondern sich auch wegen Inhomogenität als unzuver 
lässig erwies. 
Die mikroskopische Theilung auf Glas bat Plössl durch Ver 
vollkommnung seiner Vorrichtung auf eine damals nicht gekannte 
Stufe der Vollendung gebracht, so dass seine Mikrometer selbst die 
berühmten Kiche’schen (Paris) übertrafen, später aber von Nobert 
weitaus überflügelt wurden. 
Bis zu den fünfziger Jahren verfertigte wohl Niemand auf dem 
Continente vollkommenere Mikroskope als Plössl, Instrumente, 
welche den Vergleich mit Amici’s und Oberhäuser’s völlig aus 
hielten. Da schien plötzlich Plössl durch Nobert verdunkelt zu 
werden. Dieser gleichfalls berühmte Mechaniker und Optiker (in 
Greifswalde, später in Barth) setzte damals die Welt durch seine 
feinen Theilungen auf Glas in Erstaunen, welche zur Prüfung der 
auflösenden Kraft der Mikroskope alsbald in Verwendung kamen. 
Die damals von Nobert veröffentlichte Probeplatte besass 15 Linien- 
Systeme, von welchen das erste auf einer Breite von 0005 Pariser 
Zoll 7 gleichweit von einander abstehende parallele Linien fasste 
und jedes folgende auf gleicher Breite um eine Parallel-Linie mehr 
enthielt. Nach H. v. Mohl lösten Plössl’s beste Mikroskope die 7., 
Nobert’s Mikroskope die 12. bis 14. Gruppe der Probeplatte auf. 
Als Plössl durch Direetor v. Littrow in Besitz der Nobert’schen 
Platte kam, erkannte er v. Mohl’s Urtheil als völlig richtig an; aber 
in kürzester Frist entdeckte er, dass seine Objective eine ihm selbst 
nicht bekannte optische Kraft besassen. Bis dahin war nämlich sein 
Mikroskop-Spiegel blos um eine horizontale Axe drehbar; nunmehr 
richtete er den Spiegel zum Schiefstellen ein. Als er die Nobert’sche 
Testplatte im schiefen Lichte untersuchte, erblickte er bei Anwen 
dung seines stärksten Objectivs, die bis dahin noch gar nicht gelöste 
15. Gruppe. Littrow, Unger und Fenzl sind die Gewährsmänner 
für diese merkwürdige, genugsam für Plössl’s Buhm sprechende 
Thatsache.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.