56
sie zur Fortbewegung des Luft-Ballons zu verwenden; erst später
kam er auf den Gedanken, sie im compacteren Wasser als Schiffs-
Schraube zu verwenden. Im Jahre 1824 veröffentlichte ein anderer
Oesterreicher, D. Meltzl, eine eingehende Untersuchung über die
Lenkung der A erostaten; sein Project aber, ein Segel tief unter das
Luftschift' herabzusenken, dürfte phantastisch erscheinen. Ueber dem
Lande sollte eine andere Luftströmung in der Tiefe erreicht werden;
über dem Wasser sollte das Luftschiff ein Segel so in’s Wasser
senken, wie es das Wasserschiff empor hebt. Weitaus die wichtig
sten Arbeiten auf diesem Gebiete sind die von J. J. Prechtl. Schon
1805 begann er, sich mit dem Probleme des Vogelfluges zu beschäf
tigen und veröffentlichte 1846 nach vierzigjährigen Experimenten
und Beobachtungen seine „Untersuchungen über den Flug der Vögel“,
ein Werk von bleibendem Werte. Auch die Direction des Luft-
Ballons zog er in den Kreis seiner Betrachtungen. Er glaubte, dass
man die horizontale Lenkung nur durch Benützung der wechselnden
Luftströmungen in verschiedenen Höhen erzielen könne. Um nun
die hiezu erforderliche verticale Auf- und Abbewegung des Ballons
besser als durch Auslassen von Gas und Aus werfen von Ballast zu
bewirken, schlug er vor, einen kleineren mit Luft gefüllten Ballon im
grösseren Gas-Ballon anzubringen. Durch Ausziehen und Einblasen
von Luft sollte das Steigen oder Fallen verursacht werden. Dieser in
neuerer Zeit vielbesprochene Kunstgriff wurde also von Prechtl
zuerst veröffentlicht*).
Die Bewunderung, welche die Automaten Vaucanson’s und der
beiden Droz im vorigen Jahrhundert fanden, regte zur Nachahmung
an. Hofrath W. von Kempelen, geboren 1734 zu Pressburg, gestor
ben 1804 zu Wien, construirte zuerst seinen schachspielenden Auto
maten und indem er sodann Ursprung und Wesen der menschlichen
Sprache untersuchte, wurde er von dem Gedanken geleitet, eine
Sprech-Maschine herzustellen. Im Jahre 1769 fasste er den Plan
*) Eine während der jüngsten Pariser Belagerung in den Archiven des
Conservatoire des arts etmetiers aufgefundene Handschrift zeigt, dass schon
wenige Wochen nach der ersten Charles’schen Luftfahrt Meusniers einen
ähnlichen Vorschlag gemacht hatte, welcher jedoch nicht durch den Druck
bekannt wurde.