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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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Unter den Etablissements, welche einen fördernden Einfluss auf 
die Schwefelsäure - Fabrication und überhaupt auf die chemische 
Producten-Fabrication in Oesterreich genommen haben, muss die 
im Jahre 1828 von Dr. Karl Wagenmann*), dem Erfinder 
der Schnellessig-Fabrication, errichtete chemische Fabrik in Liesing 
genannt werden. Dieselbe wurde ursprünglich für die Bereitung von 
Essig und essigsauren Salzen eingerichtet, und nahm, als Emil Seybel, 
der Stiefsohn Wagenmann’s und seit 1865 alleiniger Besitzer des 
Etablissements, im Jahre 1840 die Leitung derselben übernahm und 
die Schwefelsäure-Fabricaiion, Chlorkalk- und Salzsäure-Bereitung 
eingeführt wurde, einen immer bedeutenderen Aufschwung. 
In sehr ausgedehntem Massstabe führte Seybel die Verwendung 
von Schwefelkies zur Schwefelsäure-Fabricatiou ein und namentlich 
wurden seitdem Jahre 1856 die Kiese aus der Gegend vonBösing bei 
Pressburg verwendet, welche sich dort in einem ausgedehnten Lager in 
Chlorit- und Glimmerschiefer finden, durchschnittlich 20% Schwefel 
enthalten, und in einer eigenen, bei Bösing gelegenen und gegen 
wärtig Seybel gehörigen Fabrik zur Anwendung kommen. 
ln Liesing werden jetzt theils steierische, theils solche aus dem 
Oedenburger Comitat kommende Kiese angewendet, welche etwa 
1 U — Vs Procent Kupfer halten. Letzteres wird aus den Abbränden 
auf nassem Wege und durch Fällung mit Eisen gewonnen. 
Seybel, welcher seinen Betrieb iii den letzten Jahren bedeutend 
erweiterte und auf Glaubersalz, Soda, Wasserglas, Bleizucker, Zink- 
Präparate, chromsaure Salze (seit 1860 mit Anwendung des Chrom- 
Eisensteins von Kraubat in Steiermark) etc. ausdehnte, hat sich auch 
iu der 1 abrication der Weinsäure grosse Verdienste erworben. In 
Oesterreich wurde Weinsäure bis zum Jahre 1830 blos in der Sey- 
schab sehen Fabrik **) dargestellt, die am Anfänge der zwanziger 
Jahre zu den bedeutendsten chemischen Fabriken gehörte, sich 
namentlich mit der Gewinnung von Pottasche aus Seifensiederlaugen 
*) Dr. Karl Christian Wagenmann geboren im Jahre 1787 in Württem 
berg und gestorben 1867 in Berlin. 
**) Dagegen wurde damals viel Weinsäure von Nürnberg eingeführt, 
wo sie, der niedrigen Preise der Schwefelsäure wegen, billiger erzeugt 
werden konnte. 
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