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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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Wurzel erhielt. Die Zuerkenimng des Preises wurde ihm jedoch aus 
dem Grunde versagt, weil er eine weitere Bedingung, dass die Pflan 
zung wenigstens 3500 Fuss über der Meeresfläche stattfinden sollte, 
nicht erfüllt habe. 
Auch in Steiermark und Dalmatien wird hie und da Ehabarber 
gebaut, jedoch in keinem grossen Umfange. Bheum austriacum, ins 
besondere die mährische Ehabarber, fand in früheren Jahren einen 
regelmässig grossen Abzug nach allen Ländern, hauptsächlich nach 
Amerika, wo es aber mehr zu industriellen als pharmaceutischen 
Zwecken verwendet worden sein soll. Besonders waren es Gerbereien 
und Färbereien, welche ein grosses Quantum consumirten, der reiche 
Gehalt der Wurzel an Gerbstoff und an Chrysophan erklärt diese 
Verwendung. In jüngster Zeit' ist die Nachfrage beinahe auf Null 
gesunken. Während man früher den Centner mit 40—50 Gulden 
gern bezahlte, findet gegenwärtig die Waare mit 20 Gulden per 
Centner, kleiustückige Waare mit 10—12 Gulden kaum Abgang. 
Bleiben die Preise so gedrückt, kann die Cultur der Ehabarber kaum 
weiter fortbestehen. 
Eines Thieres, das nach seinem Tode einen Theil seines Leibes 
als den kostbarsten Artikel in unsere Apotheken liefert, wollen wir 
mit einigen Worten gedenken, es ist diess der Biber, welcher noch 
bis in die erste Hälfte unsers Jahrhunderts die meisten Flüsse der 
österreichischen Monarchie bewohnte, gegenwärtig aber als ausge 
rottet angesehen werden kann. Nur eine Zufluchtsstätte ist demselben 
geblieben; seit alter Zeit wird er auf der Herrschaft Wittingau in 
Böhmen gehegt. Unser pharmakologisches Institut verdankt dem 
Fürsten von Schwarzenberg ein Prachtexemplar eines Bibers von 
dort, das in einem so frischen Zustande in meine Hände gelangte, 
dass es möglich war, eine genaue Untersuchung der den Arzt interes- 
sirenden Theile vorzunehmen. Das Castoreum aus dieser Biber-Colonie 
gelangt wohl nicht in den öffentlichen Handel; auf privatem Wege 
aber findet es nicht selten seinen Weg in die Apotheken. Der öster 
reichische Apotheker-Verein besitzt in seiner ausgezeichneten reich 
haltigen pharmacognostischen Sammlung ein paar Bibergeil-Säcke 
eines Castor bohemicus von besonderer Grösse.
	        
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