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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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und eventuell den Controll-Stempel der Behörde an sich trage. Die 
Fabrication künstlicher Mineralwässer datirt aus neuester Zeit und 
es ist beachtenswert, dass dieses Geschäft fast ebenso lucrativ ist als 
der Versandt natürlicher Mineralwässer, welche als Product der 
Natur aus der Erde quillen. Es muss hier aber auch bemerkt werden, 
dass sich die künstlichen Mineralwässer die Krüge und Flaschen inclu 
sive Signatur und Kapseln der natürlichen vielfach angeeignet haben. 
Dieser über die Grenzen einer ehrenhaften Concurrenz hinaus greifende 
Vorgang wirkte auf das Versendungs - Geschäft mehrerer Quellen- 
Besitzer abträglich. Der hiedurch veranlasste Ausfall betrug beispiels 
weise inMarienbad vom Jahre 1866—1868 die Zahl von 65.000 Krü 
gen und wurde hiedurch der Absatz der Marienbader Quellen nach 
Bussland auf ein Minimum reducirt. Es gab dieser Vorgang, welchem 
gegenüber die Begistrirung der Gewerbsmarke wohl nutzlos, zugleich 
den Anstoss zum Zusammentritt der österreichischen Brunnen- 
Versendungen (Besitzer und Pächter) in Wien. Diese Conferenz 
machte sich die Hebung des Versandt-Geschäftes überhaupt zur Auf 
gabe und setzte die Berathungen hierüber, unter Theilnahme ausser- 
österreichischer Versender, am 30. October 1868 in Eger und im 
darauffolgenden Jahre in Kissingen fort. Auf diesen Conferenzen 
bildete neben den zur Begegnung der Concurrenz künstlicher Mineral- 
Wässer einzuleitenden Schritten die Frage über die Versendung in 
Glasflaschen oder Thonkrügen, die Tarifirung von Seite der Bahn- 
Verwaltungen Hauptgegenstände der Berathung. Neben der Herab 
setzung der Frachtsätze auf Mineralwässer, wurde die verbesserte 
Versendungs-Methode als wünschenswert bezeichnet, und ein grosser 
Theil der Quellen-EigentbÜrner bequemte sich zur Versendung in 
Glasflaschen, wenn auch nur auf Verlangen der Verschleisser. Letz 
teres muss umsomehr als ein Fortschritt bezeichnet werden, da sich 
die gebrannten Thonkrüge, weil nicht gehörig ausgebrannt, auch 
nicht immer wasserhaltend erwiesen. 
Die Mineralwässer finden ihren Absatz über die Provinzen des 
österreichischen Kaiserstaates hinaus nach allen Staaten des Con- 
tinents, vorzugsweise aber nach Deutschland, Polen, Bussland. Die 
jenigen Quellen, welche, abgesehen von ihrer mediciiiischen Wirkung,
	        
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