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Die Filtration wurde mit Hilfe der Chemie vervollkommnet und
durch Anlage rationeller Filter besserer Saft erhalten, an Stelle der
Hailette’sehen Pfanne trat der Robert’sche Yerdampf-Apparat für
Dünnsaft und das Vacuum für Dicksaft, die Bodenarbeit wurde ver
vollständigt, — kurz in einer Weise fortgeschritten, dass der Rüben
zucker mit dem besten Colonial-Zucker den Vergleich aushält und
letzterer in Folge dessen aus Oesterreich ganz verdrängt worden ist.
Die neuesten Erfindungen auf dem Gebiete der Zucker-Industrie
sind die continuirliche Diffusion Julius Robert’s, das Decken des
Zuckers in der Centrifuge mit Dampf, um welche Yerfahrungsweise
sich J. Schröder in Pecek besondere Verdienste erworben hat, das
Sebor’sche Verfahren der Zuckergewinnung aus Melasse u. a. m.,
über welche Methoden einer späteren Zeit das endgiltige Urtheil Vor
behalten bleibt.
Bei Betrachtung der hauptsächlich durch Danek in Prag ein
gerichteten Mährischen und Böhmischen Diffusions-Fabriken, der
Lundenburger Raffinerie, welche über 300.000 Centner Rohzucker
jährlich verarbeitet (unter der technischen Leitung von R. Schorisch
und der administrativen von A. Skene), ferner der Nagy-Suranyer
Rohzucker-Fabrik und Raffinerie von Gerson & Lippmann, wird sich
jedemOesterreicher das stolze Gefühl aufdrängen, dass solche Etablis
sements sowohl was Leistungsfähigkeit als auch Eleganz der Einrich
tung betrifft, auf dem europäischen Continent ihres Gleichen suchen.
Dass bei so eifrigen Bestrebungen der lohnende Erfolg nicht
ausbleiben konnte, ist wohl selbstverständlich, und wird ziffermässig
durch die auf der folgenden Seite beigefügte statistische Tabelle
erwiesen, welche als der richtige Maassstab des heutigen Umfanges
der österreichischen Zucker-Industrie dienen mag.
Wie aus dieser Tabelle hervorgeht, hat sich die Zal der Rüben-
Zucker-Fabriken in Oesterreich vom Jahre 1835 bis zur Campagne
1871—72 von 17 auf 251 vermehrt, also nahezu auf das Fünfzehn-
fache, die verarbeitete Rübenmenge von 374.000 auf nahe 31 '/ a Million
Zollcentner gesteigert, während die Intensität des Betriebes im gleichen
Maasse zunahm und die Einfuhr von Colonial-Zucker bereits so gut
wie ganz ausgeschlossen erscheint.