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die erste nach dein System van de Bruck gebaute Kauh-Maschine aus
den Niederlanden in Brünn ein.
Auch dasScheeren war noch bis zu Beginn dieses Jahrhunderts
Gegenstand der Handarbeit. Die zumScheeren nötigen Vorrichtungen
bestanden aus einem Tische und einer Scheere. Eine erhebliche
Verbesserung erzielte man bereits dadurch, dass man, statt die Scheere
aus einem Stück zu machen, die Scheerblätter an Bügel anschraubte,
um sie behufs Schleifens abnehmen zu können.
Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts baute C. Alex. Offer
mann in Brünn eine Scheer-Vorrichtung nach einem von seinem
Bruder F. W. Offermann, Director bei F. H. Offermann in Brünn,
ersonnenen Principe, die trotz des Widerstrebens der Arbeiter rasch
Eingang und im In- und Auslande Verbreitung fand und die von
Kaiser Franz ein lOjähriges Privilegium erhielt.
In derselben Zeit war auch in den Niederlanden eine Scheer-
Vorrichtung ersonnen worden, die die Firma Boner, Eylardi & Daelen
1813 in Brünn einführte.
Schnell verbreitet, bestanden beide Systeme eine Beihe von
Jahren nebeneinander, bis sie beide durch die gegen Ablauf des
zweiten Jahrzehntes von Magnan aus Frankreich nach Brünn ein
geführte und in der Fabrik von M. A. Seitter zuerst aufgestellte
Scheer-Maschine allmälig verdrängt wurde. Sie erhielt verschiedene
Namen: Cylinder-Scheer-Maschine, Transversal-Maschine, Tondeuse.
Die Ratinir - Maschine wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts
aus England in Iglau eingeführt und daselbst von Kunschak verbessert,
wobei bemerkt werden soll, dass das in ihr Wirksame im Princip
wohl schon seit Jahrhunderten angewendet wird, denn der von dem
Iglauer Fabrikanten Dobrauer im Jahre 1595 erfundene Stoff, „Boy“
genannt, setzte in der Darstellung der ihm eigenthümlichen Oberfläche
bereits diese Art des Rauhens voraus.
Diesem Aufschwünge folgte durch die Leiden und Drangsale
des Krieges und der daran sich knüpfenden unvermeidlichen Folgen
ein höchst betrübender Niedergang. In dem Maasse, als man sich
früher gedrängt hatte, der Industrie Capitalien zuzuführen, suchte
man nun das Eingelegte zurück zu erhalten.