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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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wurden.  Dieses  erhielt  man  durch  künstliche  Erwärmung  bei  einer
Temperatur  von  28  bis  30°  Reaumur  bis  nach  etwa  3  Tagen  der
Flachs  leidig  war.
Diese  Anstalten  haben  sich  nicht  erhalten,  sie  waren  alle  viel
zu  theuer  und  zu  gross,  sie  brauchten  zu  ihrer  Beschäftigung  eine
solche  Menge  des  an  sich  geringwertigen  Roh-Materiales,  dass  diess,
bei  der  Abneigung  der  Landwirte,  die  selbständige  Flachsbereitung
aufzugeben,  nur  mit  grossen  Kosten  aus  allzu  weiter  Ferne  zu
beschaffen  war.
Neuerer  Zeit  suchen  Fach  vereine  und  Spinn  -  Fabriken  durch
Anstellung  von  Wander  -  Lehrern  und  Errichtung  kleiner  Muster-Anstalten,
  die  Wasserröste  nach  belgischem  Muster  einzubürgern,
und  es  bestehen  solche  Anstalten  u.  a.  bei  den  Spinn  -  Fabriken  zu
Friedland,  Heidenpiltsch  und  Teschen.
Der  Flachs  wird  durch  2—3  Wochen  zur  Bleiche  auf  Feld
oder  Wiese  gelegt,  dann  gebunden  in  grössere  ausgeschalte  Gruben
gestellt,  und  diese  mit  Wasser  gefüllt,  welches  man  durch  Zuleitung
von  ablaufendem  Condensations-Wasser,  wo  solches  bei  Fabriken  zur
Verfügung  ist,  auf  20°  und  darüber  erwärmt.  Nach  4—5  Tagen  ist
der  Flachs  gar.  Wo  man  kein  warmes  Wasser  zur  Verfügung  hat,
kann  mau  diese  Röste  im  Freien  nur  im  Sommer  anwendeii.  weil  die
künstliche  Erwärmung  des  Wassers  für  derlei  Gruben  zu  theuer
wäre.  Die  fortschreitende  bessere  Einsicht  und  Erkennt,niss  wird  und
muss  der  Wasserröste  Eingang  verschaffen.  Die  Wahl  des  Verfahrens
wird  sich  immer  nach  localen  Verhältnissen  richten.
Für  die  mechanischen  Operationen  der  Flachsbereitung,  das
Rüffeln  und  Brechen  werden  immer  häufiger  Maschinen  angewendet.
Die  Rasenbleiche,  das  älteste  und  einfachste  Mittel  zum  Entfärben
oder  Bleichen  leinener  Gespinnste  und  Gewebe  ist  auch  heute
noch,  besonders  für  Handgespiunste  und  sogenannte  Haus-  oder
Bauern-Leinwanden  vielfach  gebräuchlich.
Das  Kochen  mit  Holzaschen-Lauge  und  die  Wirkung  der  atmosphärischen ­
  Einflüsse,  denen  man  die  zu  bleichenden  Stoffe  durch
Auslegen  auf  dem  Rasen  aussetzt,  sind  die  Hauptmomente  dieses
Verfahrens.
            
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