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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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Das  hauptsächlichste  Streben,  den  Fuss  gegen  Nässe  zu  schützen,
ihn  warm  zu  halten,  ohne  die  Beweglichkeit  zu  hindern,  gleichzeitig
auch  hübsche  Form  und  Dauerhaftigkeit  zu  erzielen,  führte  zu  vielen
Versuchen,  von  denen  wenige  bleibende  Resultate  ergaben,  im  Ganzen
genommen  aber  die  Erzeugung  zu  grösserer  Vollkommenheit,  Feinheit
und  Dauer  förderten.  Dass  man  alle  Gattungen  Schuhe  mit  Pechdrat
  nähte,  dürfte  als  bekannt  vorauszusetzen  sein.  In  den  zwanziger ­
  Jahren  versuchte  man  die  Sohle  statt  mit  diesem  Pechdrat
(Schuster-Garn  mit  Harz  überzogen),  mittelst  feinen  Stiften  von
Eisen-,  Kupfer-  oder  Messing  -  Drat  mit  dem  Oberleder  zu  verbinden. ­
  Der  Schnitt  des  Oberleders  wurde  derart  verbessert,  dass
man  es  aus  einem  Stücke  machte,  über  dem  Holz  formte,  und  rückwärts ­
  an  der  Ferse  mit  einer  einzigen  Naht  zusammenfügte.  Auch
wurden  Versuche  gemacht  mit  Metalidrat  zu  nähen.  Ferner  suchte
man  die  Beweglichkeit  des  Fusses  dadurch  zu  unterstützen,  dass
man  die  Sohle  gliederte  und  beweglich  machte,  die  Absätze  aus  Holz
mit  Metallbesatz  oder  ganz  aus  Metall  ebenfalls  beweglich  herstellte.
Um  die  Schuhe  und  Halbstiefeln  am  Fusse  fest  zu  erhalten,  setzte
man  Federn  ein,  wie  selbe  für  Hosenträger  und  Mieder  üblich  waren.
Ebenso  verbesserte  man  auf  vielfältige  Art  die  Ueberschuhe.
Erst  in  den  vierziger  Jahren  erfolgte  ein  bedeutender  Umschwung
durch  Einführung  der  amerikanischen  Holzstifte  und  der  Elastics
(elastische  Gummi-Einsätze).  Den  fünfziger  Jahren  war  es  Vorbehalten, ­
  mittelst  der  Näh  -  Maschine  den  Umschwung  vollkommen
zu  machen.  Die  Arbeitstheilung  stellte  sich  von  selbst  ein,  indem
sich  \  iele  nur  mit  Verfertigung  der  Obertheile  beschäftigten,  während
die  eigentlichen  Schuhmacher  diese  Obertheile  zur  Herstellung  der
Halbschuhe  und  Stiefletten  benützten.  Damit  war  auch  die  Möglichkeit ­
  zur  Massen-Production  gegeben.  Dieses  Gewerbe  verwandelt  sich
in  eine  Industrie,  welche  beinahe  keine  Concurrenz  zu  scheuen  hat.
Das  Schuhmacher-Gewerbe  zählte  schon  in  den  zwanziger  Jahren
bei  2700  Meister  in  Wien,  worunter  mancher  20  und  mehr  Gesellen
Biod  gab;  ebenso  arbeiteten  3—4000  verheiratete  Gesellen  für
eigene  Rechnung.  Die  Ausfuhr  an  Schuhwaaren  in  die  Provinzen,
nach  Polen  und  Russland  war  für  die  damaligen  Handels-  und
            
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