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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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Der  Tradition  nach  sollen  Spitzen  in  der  dortigen  Gegend  noch
vor  der  Auffindung  des  Quecksilbers  verfertiget  worden  sein.  Nachdem ­
  das  Quecksilber  in  Idria  im  Jahre  1497  entdeckt  worden  ist,
so  datiren  sich  die  Anfänge  jener  Industrie  jedenfalls  bis  in  das
15.  Jahrhundert  zurück.  Von  den  Erzeugnissen  dieser  ersten  Epoche
bis  um  die  Zeit  von  1670  sind  auf  die  Gegenwart  keine  übergegangen.
Um  diese  Zeit  bis  gegen  das  Jahr  1750  traten  die  ersten
bleibenden  Spuren  der  Idrianer  Spitzen  hervor,  indem  die  sogenannten
kroatischen  Muster  in  Handel  kamen,  welche  noch  gegenwärtig  bin
und  wieder  aufgefunden  werden.
Die  ersten  authentischen  Nachrichten  über  Spitzen  in  Idria
gibt  das  Werk  Dr.  B.  Hacquet’s:  Abbildung  und  Beschreibung  der
süd  -  westlichen  und  östlichen  Wenden,  Illyrier  und  Slaven,  deren
Gewerbe  u.  s.  w.  1801,  in  welchem  folgende  Stelle  vorkommt:  „Viele
Mädchen,  die  Weiber  alle  tragen  eine  Leinen  -  Haube,  an  dieser  ist
eine  breite  Spitze  in  vielen  kleinen  Falten  quer  über  den  Scheitel
gelegt.  Diese  Spitzen  werden  im  Lande,  besonders  aber  ausserordentlich ­
  viel  in  dem  Bergwerke  Hydria  gemacht,  so  dass  noch  ein  ziemlicher ­
  Handel  damit  ausser  Land  getrieben  wird.  Es  sind  freilich
keine  Brüsseler  Spitzen,  aber  doch  weiss  und  fein  genug,  um  ihrem
Endzwecke  zu  entsprechen.  Quer  über  diese  Spitze  geht  eine,  goldene
Borde,  Band  oder  andere  Stickerei,  welches  das  ganze  sehr  erhebt  “
Jedoch  schon  vom  Jahre  1750  begann  eine  dritte  Epoche,
welche  um  das  Jahr  1820  den  Abschluss  findet,  und  sich  durch
24  Muster  der  sogenannten  „stavljene“  oder  gesetzten  Spitzen  auszeichnet, ­
  allein  auch  diese  Muster  werden  seit  einigen  Jahren  nicht
mehr  gearbeitet,  obschon  sie  im  Allgemeinen  noch  gegenwärtig  den
Sammelnamen  der  sogenannten  „neuen“  Spitzen  führen.
Im  Jahre  1820  hat  die  aus  Joachimsthal  in  Böhmen  nach
Idria  gekommene  Bergraths-Gattin  Passetzky  eine  vierte  Epoche  der
Spitzenklöppelei  in  Idria  hervorgerufen,  indem  sie  ganz  neue  Muster
aus  dem  Erzgebirge  in  Anwendung  brachte,  welche  sich  bis  zur  allerneuesten,
  erst  vor  kurzem  eingetretenen  Periode  erhalten  haben  und
auch  noch  gegenwärtig  unter  dem  Namen  der  neu-kroatischen  Spitzen
im  Handel  stehen.

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