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Wie die Poesie, pflegte die Malerei frühzeitig den Cultus der
Blume; bekanntlich galt schon der Sikyer Pausias als ein Meister
der Blumeu-Malerei. Mehr noch aber als Dichter und Maler huldigte
diesem Cultus von Anbeginn die gesammte zartsinnige Frauenwelt,
deren innerstes Wesen so sehr der lieben Blumen-Natur entspricht.
Es hegt ein tiefer Sinn in der uralten Sage des Sanskrit-Volkes, dass
die schönste Frau des Wischnu, die Pagoda-Siri, aus einer Rose
geboren sei.
Die Hand der Frau versteht es vom Hause aus, die Blume
natur-und kunstgerecht zu behandeln, Sträusse zu binden und Kränze
zu winden; die Hand einer Frau war es, der wir die erste plastische
Nachbildung der Blume verdanken. Die Entwicklungs-Geschichte
der Erzeugung künstlicher Blumen ist ein Stück Geschichte der
Frauenarbeit.
Die Verfertigung künstlicher Blumen war als Gewerbe, wie
allerwärts, so auch in Oesterreich jederzeit keine zünftige, sondern
eine „freie“ Beschäftigung. Nur die sogenannten „Kranzelbinder“
in Wien, 16 an der Zahl, zählten ehedem zu den gewissen „Kammer
händeln“ und bildeten eine „bürgerliche Innung“, für welche am
18. April 1749 bestimmte Zunft-Artikel erlassen wurden. Das Erzeug-
niss dieser „Kranzelbinder“, das heisst wohl der von ihnen beschäf
tigten weiblichen Lohn-Arbeiterinnen, bestand zumeist in hlos imagi
nären Nachahmungen der Natur, sogenannten „leonischen“ Blumen
und Sträussen aus versilbertem und vergoldetem Kupferdrat, Füttern,
Folien und Seidenstoffen und diente zur Verzierung von Heiligen-
Bildern und kleinen Altären, zu Kränzen für Verstorbene u. s. w.
Im Jahre der Aufhebung der alten Zünfte zählte die genannte Innung
in ganz Nieder-Oesterreich, auf welches Land sie beschränkt geblieben
war, 48 Gewerbs-Unternehmungen mit einer Steuerzahlung von nur
332 V, fl.
Ausser den leonischen kannte man zu Anfang des 19. Jahr
hunderts in Oesterreich noch vielerlei Gattungen künstlicher Blumen
und zwar: 1. Papierblumen; 2. Cocons-Blumen aus den Hülsen
(Galetten, Datteln) der Seiden-Cocons; 3. Blumen aus verschiedenen
gewebten Zeugen, wie Leinwand, Cattun, Percal, Taflet, Orep,