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Schmuck aus buntem Wachspapier und Flittergold, und erzeugten
Erstere wohl auch feinere Blumensorten von gefärbten Woll- und
Seiden-Stoffen. Ausserdem ist sichergestellt, dass sich die Bewoh
nerinnen beinahe aller Nonnenklöster in den einzelnen Provinzen zu
jeder Zeit mit Blumen-Imitationen lebhaft beschäftigten.
In dem gewerbereichen nördlichen Böhmen nimmt das soge
nannte „böhmische Niederland“ eine durchaus eigentümliche, her
vorragende Stellung ein. Eine schmale Landzunge, von dem übrigen
Böhmen durch das Lausitzer und das böhmische Sandstein-Gebirge
abgetrennt; auf drei Seiten ausschliesslich von deutschem, sächsischem
Gebiete begrenzt, nahm das böhmische Niederland, ohne inneren
natürlichen Zusammenhang mit Böhmen, seit Jahrhunderten seinen
eigenen Entwicklungsgang. Heute zählt dasselbe auf dem verhält-
nissmässig engen Baume von wenig über 6 Quadrat-Meilen mehr
als 120.000 Einwohner und erscheint daher als der bei Weitem
dichtest bevölkerte Landstrich Böhmens und somit auch Oesterreichs.
Ebenso steht es mit einer Zahl von über 52.000 Arbeitern aller
Kategorien durch die Mannigfaltigkeit seines gewerblichen Betriebes
unter den Industrie-Districten des Kaiserstaates unbedingt in erster
Beihe. An 38.000 Arbeiter beschäftigt allein die Textil-Industrie.
Die Städte und Märkte Bumburg, Georgswalde, Schluckenau, Hains
pach, Schönau, Wölmsdorf, Nixdorf, Schönlinde und Warnsdorf
gemessen in der Handelswelt eines anerkannten Bufes.
Der Stand der Verhältnisse, namentlich für die weibliche Arbeiter-
Bevölkerung, war nicht immer ein so blühender wie heutzutage. Die
einzig denkbare Erwerbsthätigkeit, die Flachs-Spinnerei, warf nur
einen kärglichen Lohn ab: drei, höchstens vier Kreuzer täglich —
einen ungestörten Geschäftsgang vorausgesetzt. Da war es denn ein
überaus glücklicher Gedanke, als vor nunmehr etwa 60 Jahren Mag-
dalene Bienert in Nixdorf sich damit zu beschäftigen begann, zunächst
Wachs-Blumen, dann Blumen aus Papier und endlich solche aus den
mannigfachsten Stoffen zu erzeugen und in den Handel zu bringen.
Gern bereit, ihre Kunstgriffe Andern beizubringen, vermittelte sie
gar bald, da das Erzeugniss diesseits wie jenseits der Grenze rasch
in Aufnahme kam, vielen hundert armen Mädchen und Frauen die