Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

340

ohne  dass  aber  diese  Methode  grössere  Verbreitung  und  Nachahmung
gefunden  hätte.  Jauernig  erkannte  die  Vortrefflichkeit  der  Eichenrinde,
beschränkte  aber  seine  Thätigkeit  auf  das  Traisen-Thal,  wo  die  Eiche
nur  wenig  vorkommt.  Glücklicher  in  der  Benützung  der  Eichenrinde
war,  wie  schon  weiter  oben,  bei  Besprechung  des  Sohlenleders
erwähnt  wurde:  Adolf  Schmitt*),  welcher  die  ausgedehnten  Waldungen ­
  des  Viertels  unter  dem  Manhartsberg,  in  Mähren  und  Ungarn
zum  Ziel  seiner  Unternehmungen  machte.
Adolf  Schmitt  hat  meines  Wissens  auch  das  Verdienst,  zuerst
den  Dampf  in  die  Gerberei  zur  Erwärmung  der  Brühe  und  Auslaugung ­
  der  Lohe  angewendet  zu  haben  und  das  mit  solchem  Erfolg,
dass  heute  eine  grössere  Gerberei  ohne  diesem  nicht  mehr  mit  Vortheil ­
  arbeiten  kann.  Im  Jahre  1836  wurde  in  dessen  Gerberei  in
Krems  ein  Dampf-Apparat  von  2  Atmosphären  aufgestellt,  welcher
sich  auch  auf  das  Trefflichste  bewährte.  Nicht  unerwähnt  kann  ich
lassen,  dass  der  k.  k.  Hof-Lieferant  Hallmeyer  in  Wien,  Vortreffliches
in  Biemenleder  für  Pferde-Geschirre,  Verdeckhäuten  für  Wagen,
Sattelleder,  in  Schweinshäuten,  Naturleder  etc.  leistete.
Der  Verbrauch  von  lackirtpm  Leder  beschränkt  sich  auf  den
Wagenbau,  Taschnerarbeiten  und  theilweise  auf  Beschuhung.
Bis  in  die  Jahre  1830—1835  war  noch  allgemein  die  Lackirung
der  Leder  in  der  Sonne,  welche  sehr  primitiv  betrieben  wurde  und
durchaus  nichts  Beachtenswertes  bietet,  in  Anwendung.  Zu  dem
bezeichneten  Zeitpuncte  änderte  sich  das  Verfahren  dahin,  dass  die
letzte  Arbeit  beim  Lackleder  durch  Ofenwärme  erreicht,  und  dadurch
ein  viel  reinerer,  schönerer  Lack  erzielt  wurde.
Dieser  Productions-Zweig  findet  seine  Vertretung  in  Prag,  Wien,
Graz  und  arbeitet  mehr  für  den  inländischen  Consum.  Er  konnte  es
nicht  zu  jener  Bedeutung  bringen,  um  dem  ImportvonWagen-Verdeckhäuten,
  Lackschuh-  und  sonstigem  Luxus-Leder,  in  welchen  Artikeln
Deutschland  und  Frankreich  dominiren,  erfolgreich  entgegen  zu  wirken.
*)  Adolf  Schmitt  wurde  den  8.  Februar  1811  geboren,  erhielt  im  Jahre
1838  die  Befugniss  zur  Errichtung  einer  Leder-Fabrik  in  Krems  an  der  Donau
und  associrte  sieh  am  1.  Jänner  1840  mit  seinem  Bruder  Franz.  Im  Jahre
1866  errichtete  er  eine  neue  Fabrik,  zu  Bossän  in  Ungarn,  und  löste  die
Association  mit  seinem  Bruder.  Er  starb  am  19.  September  1869.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.