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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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und Verschiedenheit der Felle eine fabriksmässige durch Maschinen 
bewerkstelligte Zubereitung nicht zulässig ist, so wurden z. B. Läuter 
tonnen eingeführt, um das Fell von Fett und Verunreiuiguugen zu 
befreien und demselben einen schönen Glanz zu verleihen, ebenso 
wurden Nähmaschinen zum Verfertigen der Pelze eingeführt. 
Was die Verfertigung der Pelzwaaren, den Geschmack in der 
Zusammenstellung der Pelzgattungen, die Montirung und die Eleganz 
in der Fertigung derselben anbelangt, so hat hierin die Wiener 
Fabrication einen europäischen Buf erlangt, sie hat auch mehrere 
Pelzgattungen eingeführt, die früher kaum dem Namen nach bekannt 
waren. 
Im Jahre 1840 hatte der Vorrath von Wildkatzen und ameri 
kanischen Luchsfellen etwas abgenommen, und es wurden die Damen- 
Mantillen von Fehbauch (Feh, d. i. das russische Eichhörnchen, welches 
am Bauche weiss und am Bücken grau ist) verfertigt. Das Fell dieses 
Thieres wird getheilt, der Bücken trägt den Namen Fehrücken, der 
weisse, untere Theil wird aber Fehbauch genannt. Ein Jahr später 
wurden die Damen-Mantillen von Fehrücken gemacht, und schon 
200.000 Felle dieser Art verbraucht, im dritten Jahre dieser Mode 
hat ein Kürschner allein 40.000 Stück verarbeitet. Das folgende Jahr 
wurde die braune Farbe sehr modern und man suchte, weil Edel 
marder zu theuer war, einen Ersatz. Man wählte Bisam, welches die 
beliebte Farbe hatte, und es fand allgemeinen Beifall. 
Dieses Fell wurde früher gar nicht in Oesterreich für Pelz- 
Waaren bearbeitet, sondern blos von Hutmachern verbraucht. Von 
den Kürschnern wurden im ersten Jahre, als es in die Mode kam, 
10.000 Stück verarbeitet, in den darauffolgenden Jahren stieg der 
Consum auf eine Million und man kann sagen, dass in den öster 
reichischen Ländern der Verbrauch an Bisam durch die letzten 
10 Jahre annähernd 30 Millionen Stück betrug. 
Die Damen trugen Bisam-, Zobel-, Edelmarder-, Hermelin- und 
Nerz-Mantillen, dieselben kamen jedoch bald ausser Mode und es 
wurden die grossen Palatine und runde Krägen von allen feineren 
Pelzsorten, vorzugsweise aber wurden wegen des mittleren Preises 
Bisam-Krägen getragen. Jetzt fingen auch die Herren an ihre Winter-
	        
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