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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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herzustelleiiden Möbelstücken, durch Thonet’s Verfahren in eclatanter 
Weise befriediget wurde. 
Gegenüber diesem Ereigniss in der Geschichte der Möbel- 
Fabrication ist alles andere, was noch angeführt werden kann, von 
verschwindender Bedeutung. Zur Charakteristik der Bestrebungen 
auf diesem Felde muss erwähnt werden, dass in der ersten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts auch in Oesterreich verschiedene Künsteleien 
von den Gewerbe-Treibenden versucht, dafür Privilegien erreicht, 
deren Ausbeutung jedoch ohne nachhaltigen Erfolg betrieben wurde. 
In die Kategorie gehören die mechanischen Clavierpulte von Josef 
Böhm, 1821, und von Ignaz Mayer, 1822; die mechanischen Fächer 
von Joh. Pergamenter aus demselben Jahre; die Erzeugung einer 
künstlichen Holz- und Mosaik-Masse zur Marmorirung polirter 
Tischlerwaaren von Peter Pfaff, 1819, und andere mehr. Die einzige 
Idee, welche sich über das Niveau der Künstelei hoch erfleht und 
wirklich zu einer praktischen Verwertung gelangt ist, liegt den zer 
legbaren Möbeln Mannstein’s zu Grunde; sie bieten nicht nur den 
Vortheil, dass sie die Schwierigkeit, Uebersiedlungen gut zu 
bestehen, in der vollkommensten Weise überwinden, sondern sie 
tragen auch der Beschränktheit unserer modernen Städte-Wohnungen 
in vorzüglicher Weise Rechnung. Ein Möbel, das den Tag über einen 
Schrank bildend, die Bewegung im Wohnraum wenig hemmt, kann 
des Abends in wenigen Minuten in ein bequemes Bett sammt Nacht- 
Kästchen, Sessel und Tischchen, verwandelt werden. Mannstein hat 
durch seine Erfindung besonders jenen Ständen einen Dienst gelei 
stet, deren Repräsentanten zum häufigen Wechsel ihres Domicils 
verurtheilt und andererseits die Auslagen für grosse Wohnräume 
zu bestreiten nicht in der Lage sind. 
Bevor zur Besprechung der Vollendungs-Arbeiten bei Möbeln 
und sonstigen Tischler-Arbeiten übergegangen wird, ma>g hier noch 
das Factum Raum finden, dass in Wien gegenwärtig nebst 
4000 grösseren Etablissements für Möbelbau mit 3550 Arbeitern — 
wir nennen nur Philipp Schmitt, Dübbell, Michel, Dassatiel, Paulik, 
Schönthaler, Bernhard Ludwig und andere mehr — 2000 Klein- 
Gewerbetreibende mit 5000 Gehilfen existiren, und deren jährliche 
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