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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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hat  F.  Schönthaler  das  Verdienst,  die  erste,  erfolgreiche  Anregung
gegeben  zu  haben.
Das  Vergolden  und  damit  die  Vergolder-Waaren  sehen  wir  bis
zum  Jahre  1842  noch  auf  einer  sehr  niederen  Stufe  im  Vergleiche
mit  dem  Auslande.  Man  vergoldete  zwar  in  Oesterreich  schon  lange
Zeit,  verzichtete  jedoch  auf  Originalität  der  Form  hei  den  vergoldeten
Waaren;  man  imitirte  Kähmen  und  andere  Objecte,  die  aus  dem
Auslande  bezogen  wurden,  klatschte  diese  Imitation  abermals  ab  und
so  fort  bis  das  Vorbild  nicht  mehr  zu  erkennen  war.  Benedict  Kölbel
war  einer  der  Ersten  in  Oesterreich,  welche  anfingen,  nach  selbstständig ­
  entworfenen  Zeichnungen  zu  arbeiten,  Modelle  für  den  Beleg
der  Kähmen  zu  verfertigen  und  dadurch  ihren  Geschäfts  -  Genossen
mit  gutem  Beispiele  voranzugehen.  Mit  besonderem  Glücke  cultivirte
er  den  Beleg  der  Rahmen,  Möbel  u.  s.  w.,  mit  aus  künstlicher  Massa
angefertigten  plastischen  Ornamenten.  Die  Modelle  oder  Matrizen
wurden  anfänglich  aus  Schwefel,  Gips,  Stein  und  aus  Buchsholz  angefertigt, ­
  bis  in  den  Jahren  1849  und  1850  die  Galvanoplastik  helfend
eintrat,  welche  jetzt  ausschliesslich  die  Herstellung  der  Matrizen
besorgt.  Konrad  Bühlmayer  und  einige  Andere  brachten  im  Vereine
mit  Kölbel  die  Vergolder-Industrie  auf  eine  solche  Stufe,  dass  sie
heute  den  Vergleich  mit  dem  Auslande  nicht  zu  scheuen  braucht.
Im  intimsten  Zusammenhänge  mit  der  Möbel-Industrie  steht  die
Werkzeug-Fabrication.  Nicht  immer  entsprach  die  Beschaffenheit
unserer  Tischler-Werkzeuge,  der  Vorzüglichkeit  des  Materiales  für
die  Verfertigung  derselben  und  dem  ehrwürdigen  Alter  der  Herstellung
von  Werkzeugen  in  Oesterreich  überhaupt.  Wenn  die  Bezeichnung
steirische  Mondsäge,  steirischer  Bohrer  zu  der  Annahme  berechtiget,
dass  diese  heute  noch  als  vorzüglich  anerkannten  und  altenWerkzeuge
österreichischen  Ursprunges  sind,  so  hätte  am  Anfänge  dieses  Jahrhunderts ­
  die  Herstellung  der  Werkzeuge  wohl  eine  entwickeltere  sein
sollen.  Man  war  um  diese  Zeit  noch  so  weit  zurück,  dass  sich  der
Tischler  die  Holz-Bestandtheile  der  Werkzeuge  selbst  anfertigte  und
die  Klinge  hiezu  beim  nächsten  Zeugschmied  bestellte;  von  einer
eigentlichen  Werkzeug-Fabrication  konnte  demnach  nicht  die  Bede
sein.  Im  Jahre  1820  entstand  indessen  die  erste  österreichische
            
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