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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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konnte,  und  Gelegenheit  gab,  ausser  dem  Abschleifen  von  Boden  und
Band,  —  auf  der  Oberfläche  der  Gefässe  weitere  rauhe  Bänder,
Puncte,  Striche,  Sterne  u.  s.  w.  als  Verzierungen  anzubringen.  Diese
Decoration  fand  Beifall  und  man  fing  an,  sie  auch  in  Farben  auszuführen; ­
  zuerst  mit  Leim-  und  Oellack-Farben,  die  aber  lange  Zeit
trocknen  mussten  und  doch  nicht  fest  hielten  (kalte  Malerei),  dann
aber  mittelst  leicht  schmelzbarer  Glasflüsse,  auf  die  Gefässe  aufgemalt, ­
  worauf  letztere  dann  nochmals  im  Glasofen  bis  zum  Einschmelzen ­
  der  Verzierungen  erhitzt  wurden.  Die  Arbeits-Räder  der
Glasschneider  waren  kleiner  geworden,  die  Geschicklichkeit  der
/
Arbeiter  seihst  hatte  zugenommen  und  die  Verzierungen  auf  den
Gefässen  gestalteten  sich  sinnreicher.  Blumen-Bouquets  und  allegorische ­
  Figuren  wechselten  ab,  da  man  inzwischen  die  Erfahrung
machte,  wie  durch  Holz-Rädchen  die  rauhen  matten  Stellen  wieder
nach  Belieben  hell  zu  poliren  seien.
Auf  den  Arbeits-Stühlen  mit  horizontalen  Scheiben  wurden  nicht
blos  Bodenflächen  und  Ränder  allein  abgeschliffen,  an  conisch  geformte
Gefässe  wurden  an  der  ganzen  Oberfläche  Kanten  und  Ecken  angeschliffen ­
  und  diese  wieder  hell  polirt.
Ebenso  fing  man  an  auch  grössere  und  tiefer  eingeschliffene
Verzierungen  hervorzubringen;  Kugeln,  Sterne,  erhabene  Knöpfe  —
die  ganze  Oberfläche  der  Gefässe  wurde  mit  ausgeschliffenen  kleinen
vierseitigen  Pyramiden  ausgestattet,  welche  sämmtlich  wieder  blank
polirt  waren.  Die  Arbeiter  dieser  Kategorie  nannte  man  Glas-Kugler.

Aus  der  Bereitung  der  Glasmaler-Schmelzfarben  (gebracht  aus
Venedig,  von  woher  überhaupt  die  Glas-Malerei  nach  Böhmen  eingeführt ­
  worden  war)  lernte  man  die  Färbung  der  Glasflüsse  leicht
in’s  Grosse  übertragen,  —  die  Glasmasse  im  Hafen  färben,  und  es
traten  zunächst  durch  Beisatz  von  Kupfer-,  Eisen-  und  Cobalt-Oxyden,
sowie  Knochen-Asche  farbige  Glaswaaren  in  grün,  blau,  milch-  oder
heinweiss  auf.  —  In  dieser  Zeit  fand  in  den  Glashütten  wieder  eine
Arbeitstheilung  statt,  indem  wohl  färbige  Hohlgefässe  fort  erzeugt
wurden,  gleichzeitig  sich  aber  (in  der  Gegend  von  Reichenberg,
Gablonz,  Trautenau)  weitere  kleine  Glashütten  etablirten,  die  blos
            
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