Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

423

mit  der  Erzeugung  bunt  gefärbter  Glasmassen  beschäftigt,  solche
zu  Stangen  zogen  und  als  Perlen,  künstliche  Edelsteine  u.  s.  w.*)
verarbeiteten.  Aus  dieser  Abzweigung  in  jener  Gegend,  zu  hoher
Stufe  gebracht,  entstand  auch  die  Glas-Spinnerei**).
Die  Glas-Malerei  nahm  raschen  Aufschwung.  Man  hatte  sich
von  dem  nochmaligen  Einlegen  der  bemalten  Gläser  in  die  grossen
Glas-Oefen  losgesagt,  und  wandte  selbständige  Muffel-Oefen  an,  worin
der  Hitzegrad  besser  regulirt  und  das  Einschmelzen  der  Farben
(Einbrennen  genannt)  mit  geringerer  Gefahr  für  das  Schmelzen  und.
Zerspringen  der  Gefässe  ausgeführt  werden  konnte.

*)  Pierre  de  Strass.  —  Eggermann,  Erfinder  des  Lithyalins  (1820).
Inerustationen  von  Pohl  in  Neuwald.
**)  Als  die  Baumwoll  -  Industrie  sieh  entwickelte,  gab  die  bisher  mit
dem  Spinnen  und  Weben  des  Flachses  beschäftigte  Bevölkerung  von
Reichenau  ihre  Arbeit  als  nicht  mehr  lohnend  auf,  wandte  sich  der  Glasindustrie ­
  zu  und  holte  sich  von  Gablonz  die  Glas-Compositions-Arbeit.
Eine  eigenthümlich  erzeugte  Glasmasse  (Pierre  de  Strass),  die  in  Folge
ihrer  Bleihältigkeit  ein  grossesLichtbreehungs-Vermögen  besitzt,  wird  durch
chemische  Zusätze  zur  Glasmasse  (hauptsächlich  durch  Metall-Oxyde)  verschieden ­
  gefärbt  und  die  Farbe  der  Edelsteine:  Rubin,  Saphir,  Topas,
Amethyst,  Smaragd,Chrysopras,  Chrysolith,  Aventurin,  Carneol,  Aquamarin,
dann  des  Bernsteins  und  so  w r eiter,  täuschend  hervorgebracht.  An  die
gefärbten  Gläser  werden  Facetten  angeschliffen.  Diess  geschieht  zuerst  auf
einer  durch  mechanische  Kraft  in  Rotation  versetzten  Steinplatte  und  durch
darauffolgendes  Poliren  auf  einer  rotirenden  Zinnscheibe.  Derartige  Glas-Compositionen
  werden  in  einer  Vollkommenheit  erzeugt,  dass  selbst  Kenner
oft  zur  Ermittelung  des  specifischen  Gewichtes  und  der  Härte  ihre  Zuflucht
nehmen  müssen,  um  sich  über  die  Echtheit  Gewissheit  zu  verschaffen.  Die
geschliffenen  Fass-Steine  werden  entweder  direct  nach  England,  Frankreich
und  Amerika  oder  als  Glas-Quincaillerie-Waare  (unechter  Schmuck)  von
Gablonz  aus  nach  allen  Weltgegenden,  bis  Afrika,  Ost-Indien,  Nord-  und
Süd-Amerika  etc.  versendet.
In  den  sechziger  Jahren  florirte  dieser  Industrie-Zweig  besonders,
w'eil  die  Mode  damals  bei  Frauen-Kleidern  derartige  Glas-Compositionen  als
Aufputz  verlangte.
Das  Fassen  dieser  geschliffenen  Glassteine  bildet  einen  selbständigen
Industrie-Zweig,  die  Gürtlerei.  Das  Roh-Material  dazu  ist  Tomback  oder
Messing,  auch  Neusilber,  Bronce  oder  eine  andere  Legirung  von  Kupfer.
In  Gablonz  werden  diese  Fassungen  aus  Tomback  und  Messing  oft  auch  verschieden ­
  gravirt,  so  dass  auch  eine  grosse  Anzahl  Graveure  durch  diese
Industrie  reichliche  Beschäftigung  findet.
Was  die  Glas-Spinnerei  anbelangt,  so  wurde  für  dieselbe  in  neuester
Zeit  ein  Fach-Unterricht  in’s  Leben  gerufen,  welcher  abwechselnd  in  den  an
dieser  Industrie  betheiligten  Orten  des  nördlichen  Böhmens  stattfinden  soll.
Der  hiezu  gewonnene  Lehrer  Brünfaut  hat  selbst  um  die  Ausbildung  dieser
Art  von  Glas-Technik  Verdienste.
Die  erste  Glas-Schleiferei  wurde  1732  in  Neuwald  errichtet.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.