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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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Die  Verwendung  von  Stroh  als  Hadern-Surrogat  wurde  schon  zu
verschiedenen  Malen  und  an  verschiedenen  Orten  versucht.  Koops  in
Millbank,  Piette  in  Dillingen,  Estler  in  Wien  (1815)  und  vor  ihm
Schönfeld,  Saurimont  u.  A.  widmeten  diesem  Surrogate  besondere
Aufmerksamkeit  und  es  gelang  ihnen  auch,  Fabricate  aus  demselben
mittelst  besonders  construirter  Maschinen  herzustellen.  So  lobenswert ­
  diese  Versuche  indess  waren,  so  haben  sie  dennoch  ebensowenig
als  jene  von  Demant  (1856  —  1860)  und  jene  Auer’s  (1862—1863)
mit  der  Faser  der  Maislisch  e,  dauernd  zu  einem  praktischen  Resultate
geführt,  und  die  Verwendung  des  Strohes  blieb  wieder  durch  längere
Zeit  auf  die  Erzeugung  von  Pappen,  ordinärem  Packpapier  etc.
beschränkt.  In  neuerer  Zeit  haben  die  unablässigen  Bemühungen
einiger  Fabrikanten  auf  diesem  Felde  dennoch  zum  erwünschten  Ziele
geführt.  Das  in  der  Papier-Fabrication  vorgeschrittene  Belgien  hatte
zur  letzten  Pariser  Ausstellung  weisse  Stroh-Papiere  gesendet,  welche
allgemeine  Anerkennung  fanden.  Eine  neue  Strohstoff-Behandlung
wurde  vor  einigen  Jahren  in  der  Thode'sehen  Papier-Fabrik  zu  Hainsberg ­
  eingeführt.  Dieselbe  wurde  von  Lorenz  Söhne  in  Arnau  für  Oesterreich-Ungarn ­
  erworben,  und  von  denselben  bereits  an  einige  andere
österreichische  Fabriken  cedirt,  während  Andere,  wie  Piette  iu
Komotau  das  belgische  Verfahren  cultiviren.  Die  auf  der  Grazer
Landes-Ausstellung  und  im  nieder-österreichischen  Gewerbe-Vereine
ausgelegten,  theils  mit  Strohstoff-Beimengung,  theils  aus  purem
Strohstoff  bereiteten  Schreibpapiere  der  Lorenz’schen  Fabrik  in  Arnau
Hessen  an  Consistenz  und  Elasticität  nichts  zu  wünschen  übrig.  Die
aus  ungebleichtem  Stroh-Stoff  erzeugten  feinen  Pack-Papiere  geben
den  englischen  aus  Segeltuch-Abfällen  und  feinen  Tauen  erzeugten
wenig  nach  und  die  gefärbten  Papiere  dieser  Gattung  übertreffen  fast

jene  aus  Hadern-Stoff.
Wäre  demnach  für  die  Herstellung  besserer  Schreib-  und  Pack-Papiere
  im  Stroh  ein  hinreichend  guter  Roh-Stoff  gefunden,  so  muss
doch  für  ordinäre  und  mittlere  Papier-Sorten  die  Holz-Faser  als  das
Billigste  unter  den  bewährten  Hadern-Surrogaten  bezeichnet  werden.
Die  ersten  rationellen  Versuche  mit  diesem  Surrogate  wurden  von
Keller  in  Hainichen  und  bald  darauf  von  Voelter  in  Heidenheim
            
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