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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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der Maschine gezogenen Platten liefern sowohl in Stahl, Kupfer oder 
Steinen solche Abdrücke, dass dieselben plastischen Gegenständen 
gleichen. 
Die Kupferstecher-Kunst war noch in den dreissiger Jahren 
sowohl durch ausübende Künstler wie durch Kupferdruck-Etablisse 
ments würdig vertreten, indem die meisten Kunst-Vereine ihren 
Mitgliedern als Muster-Blätter vorzügliche Kupferstiche verabfolgten. 
Durch die im fortwährenden Vorwärtsschreiten begriffene Litho 
graphie wurde dem Kupferstiche grosse Concurrenz bereitet, so dass 
die Zahl der Kupferstecher stets eine kleinere wurde und auch die 
Kupfer-Druckereien sich verminderten. Hieran hatte nicht nur die 
vervollkommnete Leistung der Lithographie schuld, sondern auch der 
im Allgemeinen sich mehr den Farben - Bildern zuwendende 
Geschmack wesentlich beigetragen. Die einst unter Schmutzer in 
der Akademie der bildenden Künste in Flor stehende Kupferstecher- 
Schule — aus welcher Meisterwerke der Kupferstecher-Kunst her 
vorgingen — kam nach und nach ganz in Verfall und wurde endlich 
ganz aufgehoben. Erst durch die Berufung des ausgezeichneten 
Kupferstechers Jacoby an die Akademie der bildenden Künste fand 
dieser Zweig der Kunst wieder volle Beachtung und wurde die 
Kupferstecher-Schule wieder in’s Leben gerufen. 
Bis zur Erfindung der Photographie war die Lithographie der 
natürlichste Concurrent des Kupferstiches; allein durch die Photo 
graphie w'ard dem Kupferstiche erst die grösste Concurrenz geboten, 
da gerade Photographien nach Kupferstichen die correcteste Kepro- 
duction boten und grössere schönere Kupferstiche erst durch die 
Photographie Gemeingut werden konnten. 
Der Kupferstecher - Kunst bleibt nur mehr das eigentliche 
Kunstfach zur Verwertung, während noch vor 20 bis 25 Jahren sich 
Kupferstecher ausschliesslich mit Gegenständen für den Handel und 
Gewerbe - Betrieb, sogenannten Mercantil- Arbeiten, beschäftigten, 
Gegenstände, die heute ausschliesslich von der Stein- und Buch 
drucker-Presse geliefert werden, die sich gegenseitig, letztere beson 
ders durch den Holzschnitt begünstigt, grosse Concurrenz machen. 
Eduard Sieger.
	        
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