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Materialien und insbesondere das Kaolin im Lande gefunden oder sonst
herbeigeschafft waren, es noch der Schwierigkeiten genug gab, um eine
Porzellanfabrik sofort in Blüthe zu bringen oder in eine Quelle des Reichthums
zu verwandeln.
Diese Schwierigkeiten sollte nun auch die Wiener Fabrik kennen
lernen und sie musste sie alle durchmachen, ehe sie zu ruhiger und
gesicherter Existenz kam.
Die Wiener Fabrik begann nicht als eine Staats- oder Hofanstalt
und hatte sich für den Anfang wenigstens nicht der Gunst des Hofes oder
der nachhaltigen Mittel des Staates zu erfreuen. Von Privaten gegründet,
war sie sich selbst überlassen und sah sich auf die bald erschöpften
Mittel ihrer Gründer beschränkt. Gewöhnlicher Erzählung nach hatte die
Flucht eines Meissener Arcanisten, der sich der strengen Ueberwachung
entzog und nach Wien kam, die erste Veranlassung zur Gründung gegeben.
In der That verhielt sich die Sache etwas anders. Idee und Gründung
gingen von einem in Wien lebenden Holländer aus, Claudius Innocenz
Du Paquier (auch Dupasquier geschrieben), welcher als Kriegsagent
in kaiserlichen Diensten stand. Kaiser Karl VI. suchte die Industrie in
seinem Lande zu heben und ermuthigte durch öffentliche Aufforderung
zur Errichtung neuer Fabriken. Das, scheint es, bewog den unternehmenden
Du Paquier an eine Porzellanfabrik zu denken, wie sie eben in
Meissen unter nachhaltigem kurfürstlichen Schutze in Blüthe trat und zu
jungem Ruhme gelangte. Aus den Büchern der Missionäre, die bekanntlich
viele Mittheilungen über die Fabrication des chinesischen Porzellans
enthalten, studirte er dessen Eigenthiimlichkeiten und Bestandtheile. Er
überzeugte sich auch, dass in Oesterreich die Erden vorhanden seien,
deren er zur Herstellung bedurfte. Versuche aber, die er anstellte, führten
doch nicht zu einem so genügenden Resultate, dass er ohne weitere Hülfe
hätte zum Ziele kommen können. Diese Hülfe konnte er nur in Meissen
finden. Er begab sich demnach dorthin und setzte sich hier in Verbindung,
wie erzählt wird, mit zwei französischen Abenteurern, einem Musiker,
genannt La France, und einem Billardhalter Dupin, welche, scheint es,
ebenfalls gekommen waren die Porzellanfabrication auszuspüren. Wie
dem auch sei, mit oder ohne Hülfe dieser Leute knüpfte er heimlich
Verbindungen an mit Angehörigen der Fabrik und wusste zwei derselben
durch Geld und Versprechungen zu gewinnen. Der eine derselben,