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macher untergeben, und er sollte darin von Matthäus Niedermayr unter
stützt werden. Beide sollten fleissig tagsüber in den Werkstätten sich
aufhalten, um auf den Fleiss zu achten und alle Fehler zu verbessern.
Sie hatten ferner die Aufgabe »sich auf Inventionen von Gusto zu ver
legen, aber nicht allein auf jene, so etwan mehr auf Curiosität und
Hervorthuung ihrer Kunst dienen, sondern auch auf jene, so currente
Waare abgeben und doch auf einen besonderen Gusto, wozu Liebhaber
angereizt werden, das sorgsame Auge tragen«. Niedermayr insbesondere
war auch die Bereitung der Masse übertragen, und darin stand ihm der
»Arcanist« Klinger zur Seite, welcher zudem die Farben für die Maler
zu bereiten hatte. Die Vorschrift zeigt verschiedentlich, welchen ausser
ordentlichen Werth man auf die Bereitung einer guten Masse legte und
auch auf einen grossen Vorrath derselben, damit sie sich gehörig ablagere
und zeitige und nicht zu frisch in Verbrauch genommen werde. Die Malerei
mit ihren Ateliers war dem »Obermaler« Fischer unterstellt, welcher auch
den Unterricht der Lehrlinge, der »Jungen« zu leiten hatte, worin ihm der
Maler Flitzing zur Seite stand. Andere und eingehende Bestimmungen
regelten die Vertheilung der Arbeit, die Buchhaltung, den Verkauf u. s. w.
Trotz der Mängel und der Klagen wuchs aber die Fabrik fort und
fort. Man erkannte, dass die Fabrik als Staatsanstalt, um in Blüthe zu
kommen, nicht in dem kleinen Massstabe wie bisher bestehen könne.
Sie war mit zwanzig Arbeitern übernommen; bis zum Jahre 1750, also
in sechs Jahren, wurde die Zahl verdoppelt. Das bisherige Gebäude blieb,
aber die Oefen und die Räumlichkeiten wurden durch Ankäufe vergrössert.
Im Jahre 1751 wurde ein daneben liegendes Haus der Prinzessin von
Savoyen, geborenen Prinzessin v. Liechtenstein, mit dem dazu gehörigen
Garten für eine unbedeutende Summe erworben; die Anstalt errichtete
aber dafür zwei Stiftungsplätze für Zöglinge im Porzellanfache, deren
Verfügung dem Regierer des Hauses Liechtenstein zustand. Sie sind jetzt
nach Aufhören der Porzellanfabrik in ein Stipendium an der Kunstschule
des Oesterreichischen Museums verwandelt worden. Im Jahre 1764 wurde
ein anderes Haus, das zunächst gelegene Holgerische, hinzugekauft, mit
einem Garten gross genug, um zwölf neue Brennöfen darin zu errichten,
im Jahre 1771 ein drittes Haus, genannt zum wilden Mann, das wiederum
zur Errichtung neuer Oefen und Werkstätten und eines Laboratoriums
den nöthigen Raum bot.