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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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So entstand der unregelmässige Complex von Gebäuden, Höfen 
und Gärten, der bis auf unsere Zeit ununterbrochen der Sitz der Fabrik 
gewesen. Er wurde nie völlig umgebaut, sondern das Neuerworbene eben 
nur für das Bedürfniss eingerichtet. Nach der Porzellangasse zu baute man 
allerdings im einstöckigen Gebäude einen grossen Saal, der die Bunt 
malerei aufnahm. Der Flügel, welcher sich von der Ecke der Porzellan 
gasse an der Aiserbachstrasse entlang zog, diente zum Verkaufsmagazin 
und zur Ausstellung. 
Schon aus diesen neuen Erwerbungen geht hervor, dass die Fabrik 
in bedeutenden Aufschwung gekommen sein musste. Im Jahre iy5o betrug, 
wie bereits angegeben, die Arbeiterzahl vierzig Personen, 1761 war sie 
auf hundertvierzig gestiegen. Gleichzeitig war der Absatz auf 5o.ooo Gulden 
gewachsen, wodurch sich die Fabrik zum ersten Male in den Stand 
gesetzt sah dem Staate auf seine Vorschüsse 16.000 Gulden zurückzu 
zahlen. Auch die Ankäufe der Häuser machte sie aus eigenem Erwerbe. 
Im Jahre 1770 war die Einnahme auf 120.000 Gulden und das Personal 
auf 200 Personen gestiegen. Ein Jahrzehnt später, 1780, betrug es 320 Köpfe. 
Diese bedeutende Anzahl von Arbeitern, dieses stete Anwachsen 
und Vergrössern scheint das Zeichen eines enormen Aufschwunges und 
unausgesetzter Bliithe gewesen zu sein, und doch hatte die Fabrik auch 
in dieser zweiten Periode ihres Bestehens, der ersten Periode der kaiser 
lichen Zeit, noch ihre Krisen durchzumachen. So namentlich am Schlüsse 
dieser Epoche, welche man künstlerisch als die Periode des Rococo 
bezeichnen muss. 
Dem Director Mayerhofer von Grünbühel war im Jahre 1758 
Joseph Wolf von Rosenfeld gefolgt, nach welchem im Jahre 1770 der 
Hofrath von Kessler die Direction übernahm. Während von der Verwaltung 
Wolfs wenig zu berichten ist, wenn nicht von dem ruhigen Fortschritte, 
fanden unter Kessler verschiedene Aenderungen statt, die nicht gerade 
zum Vortheil ausschlugen. Kessler scheint etwas von der unruhigen 
Natur eines Projectenmachers gehabt zu haben. Schon vorher hatte er 
mehrere andere Unternehmungen mit entschiedenem Missgeschicke in’s 
Leben zu rufen gesucht. Das Missgeschick verfolgte ihn auch bei der 
Porzellanfabrik. Zunächst machte er kostbare Versuche in Bezug auf die 
Masse des Porzellans. Wohl durch den Vergleich mit Meissen und Sevres, 
das damals zu Berühmtheit kam, veranlasst, hielt er die Masse seiner
	        
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