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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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Fabrik nicht für weiss genug. Dieses Ziel zu erreichen, machte er sie 
glasiger, folglich unsolider, und so kam es, dass ihm gleich im ersten 
Jahre, in welchem seine neue Masse in Gebrauch stand, für 20.000 Gulden 
Waare im Starkbrande zersprangen. Sie konnte das grosse Feuer nicht 
vertragen. Der scheinbare künstlerische Gewinn — wir kommen darauf 
noch zu sprechen — erwies sich also als ein materieller Verlust. 
Noch gefährlicher zeigte sich ein anderes Experiment. Ermuthigt 
durch die bisherige Steigerung des Absatzes, denn nunmehr hatte sich 
das Publicum bereits an das neue Material gewöhnt, erhöhte Kessler den 
Personalstand auf einmal um ein Drittheil. Aber für die erhöhte Menge 
der Waaren stellte sich nicht sofort der Absatz ein. Die Lager füllten sich 
mehr und mehr von Jahr zu Jahr. Man suchte neue Absatzstellen zu 
erhalten durch Filialniederlagen in Prag, Brünn, Brody, Lemberg, Ofen, 
aber man vermehrte nur die Lagerstätten. Dazu kam im Jahre 1779 in 
Folge des Krieges eine Geschäftsstockung. Da die Fabrik die einzige ihrer 
Art im Lande war und die Arbeiter, welche sie sich selbst und nur für 
sich erzogen hatte, nicht dem Hungertode preisgeben oder zu einem 
anderen Berufe treiben durfte, so konnte sie der Stockung nicht durch 
Entlassung der Arbeiter begegnen, sondern musste mit voller Kraft fort 
arbeiten. 
So entstand bald ein grosses Missverhältniss zwischen der Production 
und dem Absätze. Die Fabrik befolgte in ihrer Berechnung den Grundsatz, 
die fertige auf dem Lager bleibende Waare nicht mit ihrem Erzeugungs- 
werthe, sondern mit den Verkaufspreisen in den Vermögensstand einzu 
stellen. So wuchs dieser fortwährend bis auf 700.000 Gulden, während 
doch jährlich nur ein Reingewinn von 6000 Gulden an die Regierung 
abgeliefert wurde. 
Der hier befolgte Grundsatz war um so gefährlicher, weil grade 
damals ein Umschwung des Geschmackes vom Rococo zum antikisirenden 
Stil stattfand. Bei all’ den besseren Sachen, die auf dem Lager blieben, 
fand daher nicht blos der Zinsenverlust statt, sondern es verringerte sich 
der Werth, weil die Waare veraltete und die Nachfrage geringer wurde, 
so dass man schliesslich Gefahr lief, das, was aus der Mode war, um 
Schleuderpreise wegzugeben. 
Diese Uebelstände blieben der Regierung nicht verborgen, und sie 
ordnete daher im Jahre 1782 eine Untersuchung an durch den damaligen
	        
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