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Director der Wollenmanufactur in Linz, Baron Sorgenthal. Dieser fand,
dass Missgriffe geschehen, nicht aber, dass die Lage verzweiflangsvoll
war, zumal die Fabrik ja trotz alledem noch einen Reingewinn abwarf,
wenn er auch mit der Grösse der Anstalt und des Betriebes in keinem
Verhältnis stand. Sie zog Geld in das Land und ernährte eine grosse
Anzahl Familien. Trotzdem entschloss sich Kaiser Joseph die Fabrik
wieder der Privatindustrie zu übergeben. Es rührten sich schon moderne
nationalökonomische Grundsätze, dass der Staat kein Fabrikant sei und
die Industrie der Privatspeculation überlassen müsse. Während Kessler
schon im Jahre 1782 seiner Stelle als Director enthoben war, sollte die
Fabrik am 20. Juli 1784 in öffentlicher Versteigerung verkauft werden.
Allein, obwohl der erste Ausrufspreis nur mit der Hälfte des angenommenen
Vermögensstandes zu 358.000 Gulden angesetzt war, meldete sich
doch kein einziger Käufer. So blieb sie dem Staate und musste, da man
sie nicht fallen lassen konnte, nothgedrungen durch den Staat fortgeführt
werden. Aber es wurden nun andere und liberalere Grundsätze eingeführt
und ein Mann an die Spitze gestellt, welcher sie diesen Grundsätzen'
gemäss zu führen verstand. Kaiser Joseph schrieb in dieser Angelegenheit
am 5. August 1784: »Wenn der Porzellanfabrik ein wahrer wirthschaftlicher
Fortschritt gegeben werden soll, so muss die 'Hofstede sich in deren
Verwaltung nicht im Geringsten mengen, sondern es ist ein geschickter
Mann auszuwählen, dem man ein paar tausend Gulden Gage giebt und
zehn Procent von allem Gewinne und Ersparniss, welche er über die
jetzigen Ausgaben machen kann. Die Controle muss durch die Buch-
haltung geführt und die Rechnungen erlegt werden, und auf diese Art,
wenn man ihm freie Hände lässt aulzunehmen und abzudanken, wen
er will, auch zu erzeugen, was und wie er will, kann die Sache allein
gehen, und die Hofstelle hat sich in diese Geschäfte keineswegs als nur
insoweit einzumischen, dass die Rechnungen, wenn sie von der Buch
haltung berichtigt worden, mit der Bilanz der Kanzlei alljährlich eingereicht
werden.« Der Mann fand sich in dem genannten Baron von Sorgen
thal, welcher nun im Jahre 1784 an die Spitze der Fabrik trat. Unter
ihm erreichte die Fabrik ihre Blüthezeit.
Während dieser, in ihrer äusseren Entwicklung mannigfach
schwankenden Epoche der Fabrik , herrscht vor allem in künstlerischer
Beziehung der Geschmack des Rococo, und diesem folgend, der Geschmack